Der Geist von Weihnachten

Rund um Weihnachten haben sich zahlreiche Bräuche erhalten, je nach Region und oft sogar von Ort zu Ort verschieden. Im nächsten Dorf 5 km weiter konnte alles schon wieder ganz anders aussehen.

Neben den »Großen Weihnachtsbüchern«, die man heute meist bekommt, gibt es zahlreiche regionale Bücher. Schaut ruhig einmal nach eurem Bundesland oder eurer Region. Viele ältere Bücher bekommt man noch gebraucht in Antiquariaten und online und je regionaler es wird, desto spannender wird es oft!

An kalten Winterabenden mit einer schönen Tasse Tee kann man so stimmungsvolle und überraschende Traditionen und Bräuche entdecken. Wie engagiert und fantasievoll der Mensch doch wird, wenn es darum geht, das Heilige zu feiern. Das kitzelt unsere besten Seiten heraus.

 

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Fremde Bräuche einer schamanischen Kultur? Man könnte es fast denken beim Anblick des Bescherkindes in Mühlrose und Mulkwitz. / Aus: „Das große sächsische Weihnachtsbuch“ von Klaus Walther

Die großen Rituale kennen die meisten von uns: der Weihnachtsbaum, der Adventskranz und zu Weihnachten räuchern sogar Leute mit einem Räuchermännchen, die sonst gar nichts mit so etwas am Hut haben.

Und Brauchtum ist beweglich! Das wird heute oft vergessen, man sehnt sich nach der guten, alten Zeit, in der alles wie immer war. Das war es oft aber gar nicht. Bräuche wurden verändert, neu erfunden, anderes fiel dafür weg. Bei Weihnachten spielen auch Familientraditionen mit hinein, die meist spontan entstehen und dann weitergeführt werden.

Das macht es doch erst lebendig. Den Geist der Weihnacht spürt man selten in starren Ritualen. Wir alle kennen das: Jetzt muss dies gemacht werden, dann muss jenes gemacht werden, es muss und muss. Hast du an alles gedacht? Wir müssen noch dies und das machen! – und immer so weiter.

In solche leeren Handlungen zieht kein Spirit ein. Kaum etwas vertreibt den Funken von oben so gründlich aus einem Fest wie hektische Geschäftigkeit. Weihnachten braucht beides: die Traditionen, aber auch das Lebendige, den spontanen Moment, das Herausfallen aus dem Alltag, um sich dem Wunder öffnen zu können.

 

Dafür muss man manchmal Barrieren durchbrechen. Aber es lohnt sich. Oft wird erst kritisiert und hinterher heißt es dann: Das war gut, dass wir das mal anders gemacht haben. Alle atmen erleichtert auf, weil das enge Traditions-Korsett gelöst wurde.

In vielen traditionellen Kulturen (denen wir gerne unterstellen, dass sie seit Urzeiten dasselbe machen) gilt es als einfalts- und leblos, Rituale exakt gleich zu wiederholen. Schaut man alte Rituale näher an, wird man oft eine bestimmte Form entdecken, die aber Raum für Spontanität lässt.

Da ist genügend Luft drin, damit sich der Geist der Sache auch manifestieren kann. Wenn wir ein Fest zu sehr anfüllen mit Aktivitäten, findet sein Geist nirgendwo mehr Platz und dabei geht es doch eigentlich um ihn.

 

Die meisten Menschen haben ein instinktives Gespür für den Geist der Weihnacht: Stille, Heiligkeit, diese Weite, das Licht im Herzen, die Gemeinschaft mit anderen, eben: die Magie dieser Zeit spüren. Die Seele kann man nicht betrügen, sie weiß genau, ob man wirklich in Berührung gekommen ist oder nicht.

Den Geist der Weihnacht kann man nicht einkaufen und auch nicht mit überbordener Dekoration herbei zwingen. Oft manifestiert er sich genau da, wo die Dinge vor den (Weihnachts)Baum laufen. Warum sonst würden so viele Filme davon erzählen, dass ein „perfektes“ Weihnachten erst vor die Hunde gehen musste, damit der Spirit des Festes befreit und für alle spürbar wurde.