Der Zauber der Sternschnuppen

Jetzt im August ist wieder die beste Sternschnuppenzeit und seit jeher ranken sich viele Bräuche, Legenden und Überzeugungen um diesen kurzen Moment, in dem »ein Stern vom Himmel fällt«. Höchste Zeit das alte Wissen unter die Lupe zu nehmen, damit Wünsche im Zauber dieses besonderen Moments in Erfüllung gehen können.

 

Wunschmagie

Bis heute weiß jedes Kind: Sieht man eine Sternschnuppe, darf man sich etwas wünschen! Nur verraten darf man den Wunsch nicht, wenn er in Erfüllung gehen soll. Und man muss schnell sein, denn es gilt an den Wunsch zu denken, während man die Sternschnuppe sieht.

Es gibt viele lokale Bräuche zu diesem Thema. Manchmal soll man dreimal das Wort für den Wunsch wiederholen, damit er in Erfüllung geht. Manchmal soll ein Leiden geheilt werden, wenn man es im Moment, in dem der Stern fällt, auf einen Gegenstand (zum Beispiel ein Taschentuch) überträgt, das man an die entsprechende Körperstelle hält.

Wer einen kleinen Glücksvorrat braucht, macht sich am besten einen Knoten ins Taschentuch, wenn er die Sternschnuppe sieht. Alternativ kann man auch einen Stein mitnehmen, den man in diesem Moment aufhebt (das funktioniert auch mit extra mitgebrachten Steinen).

 

Der Blick der Götter

Auf keinen Fall sollte man mit dem Finger auf eine Sternschnuppe zeigen. Einst dachte man nämlich, dass die Sterne vom Himmel fallen, wenn die Götter aus ihren Sphären auf uns sehen und ein Stern dabei durch das Himmelsloch fällt, durch das sie schauen (hier blitzen noch die uralten schamanische Vorstellungen der verschiedenen Himmelssphären durch).

So gesehen ist der Fall einer Sternschnuppe mehr als nur das. Folgt man diesem alten Glauben, kann man in diesem Moment direkt zu den Göttern schauen, während sie gerade zu uns schauen. Kein Wunder, dass es jeher als guter Moment für einen Wunsch galt, wenn die Götter sozusagen schonmal da sind.

 

Seelen, die zwischen Himmel und Erde wandern

Die Verbindung von Sternen zu den Ahnen und Göttern ist so alt wie die Menschheit. Die Milchstrasse wird bis heute oft als Weg der Seelen betrachtet. Sternschnuppen gelten sowohl als Seelen, die zum Himmel gehen, nachdem jemand gestorben ist, als auch als Seelen, die zu uns herunterfallen.

Wer sich ein Kind wünscht sollte es ruhig einmal probieren – was hat man schon zu verlieren? Am besten fährt man raus aus der Stadt, um der Lichtverschmutzung zu entgehen, dann hat man die beste Sicht. Aber sogar in der Stadt kann man Glück haben, es braucht dann nur etwas mehr Geduld.

Diese Vorstellungen der Verbundenheit zwischen Ahnen und den Sternen kann man als hübsche Geschichten aus der Vergangenheit abtun. Doch wie heißt es so schön: es gibt mehr zwischen Himmel und Erde…

Als ich vor einer Weile unter dem zauberhaften Sternenhimmel La Gomeras unterwegs war, machte ich so eine Erfahrung. Zwei Sterne schienen mich von einem Tag auf den anderen jeden Abend anzusehen, wie zwei Augen am Himmel. Das war so intensiv und eindrücklich, dass es mir unheimlich war. Ich hatte so eine Erfahrung noch nie gemacht. Erst später erfuhr ich, dass genau ab dem Tag, an dem die Sterne einen Blick auf mich warfen, ein lieber Mensch aus meiner Familie gestorben war.

Wir wissen vielleicht nicht warum, aber das alte Erfahrungswissen unserer Vorfahren vorschnell als Aberglaube abzutun, wäre voreilig. Oft ist eben doch ein Körnchen Wahrheit dabei.

 

Kein Glück gehabt?

Nicht immer erwischt man den Moment, in dem eine Sternschnuppe fällt und trotzdem kann man sich nach alter Überlieferung etwas von den Sternen wünschen. Dazu schaut man in der Abend-Dämmerung zum Himmel, bis man einen Stern erblickt.

Danach sucht man nach einem zweiten Stern, der ebenfalls schon aufgegangen ist. Findet man einen zweiten Stern, kann man sich etwas wünschen. Findet man noch keinen zweiten Stern, war es nicht der richtige Zeitpunkt für den Wunsch und man muss es ein anderes Mal probieren.

Schummeln gilt übrigens nicht (also einfach abwarten, bis es dunkel genug ist), es darf noch nicht so dunkel sein, dass man sicher einen zweiten Stern findet.