Glücklich ins neue Jahr

Das alte Brauchtum kennt bis heute zahlreiche Überlieferungen, um glücklich ins neue Jahr zu rutschen. Am gebräuchlichsten sind heute Knaller und Raketen. Die Knallerei an Silvester hat eine lange Tradition, früher wurde geschossen oder mit Peitschen geknallt, aber der Zweck war immer derselbe: das Negative zu verscheuchen, damit es sich nicht im neuen Jahr festsetzen kann.

Heute möchte ich ein paar Überlieferungen aus Sachsen mit euch teilen. Das Brauchtum ist oft eine sehr regionale Sache, wobei sich die großen Themen dann doch immer wieder treffen.

 

Die Christnacht

Wie alle Nächte dieser Zeit galt auch die Christnacht vom 24.12. auf den 25.12. als besonders gut zum Orakeln geeignet. Um Mitternacht sollte man dazu zu einer Kreuzung gehen und sein Ohr auf den Boden halten. Die Geräusche, die man dabei wahrnahm, galten als Omen für das kommende Jahr. Es galt als glücksverheißend, wenn man ein leises Säuseln hörte, krachende oder knackende Geräusche galten als Unglückszeichen.

Wie in vielen Gegenden Deutschlands glaubte man auch in Sachsen, dass man in der Christnacht die Tiere sprechen hören kann. Dieser alte Glaube geht vielleicht noch auf alte, schamanistische Traditionen zurück, für die Seelenreisen und das Sprechen mit Tiergeistern etwas selbstverständliches sind. „Die Tiere sagen es dir.“ – nämlich wie das neue Jahr wird.

Bis heute wird an Silvester gerne Blei gegossen, früher machte man das aber auch in der Christnacht, manchmal wurde auch Zinn dazu verwendet.

 

Die Zwölfnächte

Die Nächte vom 25.12. bis zum 6.1. werden heute oft als Rauhnächte bezeichnet, aber eigentlich hat jede Region ihren eigenen Namen dafür. In Sachsen sind es die Zwölfnächte, bei denen Silvester und Neujahr eine ganz besondere Rolle einnehmen, aber dazu gleich noch mehr.

In dieser Zeit sollte man so wenig wie möglich tun, denn es war Geisterzeit. Nach altem Glauben schützte das Liegenlassen der Arbeit davor, dass sich böse Geister einnisten oder einem alles durcheinander bringen. Schon früher wußte man, wie schwierig es sein kann, wirklich mal zur Ruhe zu kommen. Es hieß, die Geister wollten einen regelrecht zum Arbeiten verleiten in dieser Zeit, also musste man standhaft sein! Das ist sicher auch ein interessanter Gedanke für die heutige Zeit.

 

Silvester

Silvester ist bis heute das große Fest der Bräuche, denn ob abergläubisch oder nicht: Jeder hängt ein Stück weit vom Glück ab. So sehr wir uns auch bemühen, manchmal brauchen wir einen glücklichen Zufall, die richtige Unterstützung zur richtigen Zeit, eine Tür, die sich endlich öffnet.

Was das neue Jahr wohl bringen mag? – diese Frage überließ man nicht dem Zufall, sondern arbeitete tatkräftig mit. Ein alter Brauch ist der Karpfen, der auf den Tisch kommt. Als Fisch ist er ein Symbol für Fruchtbarkeit und Reichtum. Daher auch die Silvester-Karpfenschuppe, die man das ganze Jahr über im Geldbeutel tragen soll, damit einem das Geld nie ausgeht.

Mache kennen noch die alte Regel: Silvester gleich für ein ganzes Jahr. Das bedeutet: Alles, was man an diesem Tag tut oder unterlässt hat eine tiefere Bedeutung für das kommende Jahr. Traditionell durfte kein Salz verschüttet werden (sowieso nicht, aber an Silvester ganz bestimmt nicht), man sollte ruhig viel gähnen, denn das bringt Glück und es sollte an diesem Tag nichts herumhängen (trocknende Kleidung, Fäden, Seile usw.), da das Pech sonst daran ins neue Jahr hinüberhangeln würde.

Die Zahl der verwendeten Orakel ist natürlich groß. Ein sehr schönes und meditatives Orakel von früher ist, dass man hinausgeht, einen Kreis um sich zieht und zu den Sternen blickt. In der meditativen Versenkung erfährt man, was das kommende Jahr bringen wird – und natürlich sollte man vor dem 12. Glockenschlag wieder daheim sein.

Außerdem wurde gesprungen: Vom Tisch oder von einem Stuhl, aber ein Glückssprung ins neue Jahr musste sein! Erst danach ging es raus zum Knallen, damals noch mit Peitschen.

 

Der Neujahrstag

Auch der Neujahrstag war in sich wie ein Orakel: Was man an Neujahr tut, tut man ein ganzes Jahr! Daher aß man an Neujahr auch noch einmal üppig, schließlich wollte man im neuen Jahr keinen Hunger leiden. Man sollte nicht viel Geld ausgeben an diesem Tag, wer früh aufstand würde das auch das ganze restliche Jahr über tun. Wer arbeitet wird das Jahr über nichts als Arbeit haben. Von der Feier der Nacht noch völlig verkatert zu sein, ist nach altem Brauch natürlich auch nicht gerade ein Glückszeichen. Alles mit Maß und wohl dem, der zu entspannen weiß an diesem Tag!

Außerdem gab man genau acht: Was begegnet mir an diesem Tag? Welche Tiere oder Vorzeichen sehe ich (zum Beispiel beim Neujahrsspaziergang)? Aus alledem wurden Schlüsse gezogen und über die verschiedenen Orakel dieser Zeit setzte sich ein Bild der Energie, die im kommenden Jahr auf einem zukommen wird, zusammen.