Hohe & Niedere Magie

 

 

Diese beiden Begriffe sind im magischen Kontext absolut wertfrei zu verstehen. „Hoch“ ist also nicht besser als „niedrig“, sondern einfach anders.

Um das zu erkennen muss man nur einmal die Ursprünge der beiden Richtungen unter die Lupe nehmen. Niedere, oder anders gesagt: Natürliche Magie, gab es schon immer, denn der Mensch hat ein tief verankertes Bedürfnis nach Religion im wörtlichen Sinne: re-ligare – sich zurück verbinden. Wir brauchen diesen Kontakt zum Ursprung aller Kräfte, um in unserer Mitte zu bleiben. Die Wege, ihn zu suchen sind natürlich unterschiedlich, doch alle haben dasselbe Ziel.

Die hohe Magie entwickelte sich etwa ab dem frühen Mittelalter mit den neu entstehenden Städten aus dieser natürlichen Magie. Sie verwendete alten Schriften beispielsweise aus Ägypten oder Griechenland, aber auch das Wissen der Araber (das bis heute in der Astrologie eine große Rolle spielt) .

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Die meisten dieser Zeremonialmagier hatten eindeutig christliche Bezüge, sie studierten die Kabbala und gehörten tendenziell eher zur reichen Schicht bzw. arbeiteten für diese, beispielsweise als Hofastrologe, der nicht selten auch als Magier fungierte, welcher Amulette und Talismane erstellte. Denken wir nur einmal an die Renaissance und z.B. die Familie Medici und ihren legendären Ruf in diesen Künsten. Magie gehörte durchaus zur Politik, aber stets unter dem Deckmäntelchen der Kirche.

Der naturverbundenen Magie ging es derweil an den Kragen und die Scheiterhaufen brannten... Es war wohl auch eine Art Lebensversicherung, wenn Magier wie Agrippa von Nettesheim stets beteuerten, der Kirche zugetan zu sein. In der natürlichen Magie wurden auch weiterhin Götter und Göttinnen verehrt, die nicht gerade christlichen Ursprungs waren.

Die Menschen waren direkt von der Natur umgeben, auf eine Art und Weise, die wir uns heute gar nicht mehr vorstellen können. Das wird gerne idealisiert, aber wenn wir z.B. an die Kindersterblicheit und all die fürchterlichen Infektionskrankheiten denken, dann wird schnell klar, dass kitschige Naturvorstellungen hier nicht angebracht sind. Oft genug schlüpfte die schöpferische Göttin der Natur in dieser Zeit auch einfach unter Marias Röcke (wie auch in den afrobasierten Traditionen), um weiter verehrt zu werden. An wen sollten sich die Frauen denn sonst mit ihren Nöten werden? An eine von ihnen natürlich! An eine Göttin.

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Diese Dinge muss man sich aber stets im Fluss der Geschichte vorstellen. Erst im Jahre 553 u.Z. wurde beispielsweise die Lehre der Wiedergeburt aus dem christlichen Glauben gestrichen, beim Konzil von Konstantinopel. Was uns heute erscheint, als wäre es schon immer so gewesen, war in Wirklichkeit oft ganz anders. Und auch die Hochmagie war damals mit den Kräften der Natur verbundenen und keine abgehobene Sache. Da ging es nicht nur um kabbalistische Buchstaben- und Zahlenspiele, sondern immer auch um die Kräfte der Natur, seien es die Sterne, die Tiere oder die Pflanzen.

Vielfach sieht man Parallelen: der Mond war die „Astrologie der kleinen Leute“, aber auch die gebildeten Astrologen erfuhren nur selten, wann ein Klient wirklich geboren war. Man unterschied in Tag- und Nachtgeburten und Geburtstage wurden meist nach dem Heiligen des jeweiligen Tages bestimmt. Durch diese vielen Unsicherheiten entstand dann auch die →Stundenastrologie, bei der man den Zeitpunkt der Fragestellung als zentralen Ausgangspunkt für die weiteren Überlegungen wählte.

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Doch zurück zur Magie: Wie sieht es eigentlich heute damit aus? Heute mischen sich hohe und niedere Magie sehr harmonisch miteinander. Viele interessieren sich jedoch eher für schamanische Praktiken oder magisches Pflanzenwissen, als für Geheimlehren. In unserer übertechnisierten Welt wird das Natürliche zum unverzichtbaren Ausgleich für die Seele.

Wer den ganzen Tag an einem rational durchgeplanten Arbeitsplatz funktionieren muss, möchte seine Spiritualität nicht auch noch von der linken Hirnhälfte bestimmen lassen, mann und frau braucht einen Ausgleich.

Gerade Frauen spüren das und arbeiten oft undogmatisch, frei und kreativ. Die meisten von ihnen haben ohnehin keine Zeit für stundenlange Anrufungen, denn der Alltag wirbelt durch ihr Leben und somit leben sie ihre Magie mit den Händen, mit dem Gefühl und mit dem Herzen, sie lassen ihre Kräfte frei fließen und nutzen Vorgaben als Inspiration, aber nicht als Gesetze – und das ist auch gut so!

Wo das Dogma regiert wird, muss immer auch lebendige Kraft unterdrückt werden und es entstehen Bereiche, die tabu sind, die ausgeblendet werden müssen, um einem Schema zu entsprechen. Mit Ganzheitlichkeit hat das nur wenig zu tun.

Manchmal heißt es dann, man würde es sich zu leicht machen, wenn man dem eigenen spirituellen Pfad folgt. Aber das Gegenteil ist der Fall, denn eine selbstverantwortliche Spiritualität erfordert viel mehr bewusste Arbeit mit und an sich selbst, aber auch mit und für andere, als es ein vorgegebener Weg, der eigenes Denken überflüssig macht, je tun würde.

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