Hoodoo & Voodoo

Hoodoo und Voodoo sind faszinierende, magische Strömungen, über die leider unendlich viel Unsinn geredet wird, denn nur die wenigsten schauen etwas tiefer unter die Oberfläche, um die wahren Mysterien dahinter zu erkennen. Mit dieser Seite möchte ich diese spirituellen Traditionen näher beleuchten und etwas Licht in den Dschungel der Vorurteile und Vermutungen bringen. Denn ich weiß nicht zuletzt von meinen schwarzen Klienten und Ratsuchenden, wie verletztend diese ewigen Klischees sein können.
Oft werden Hoodoo und Voodoo ohne großes Nachdenken als Synonyme gebraucht, was weit von der Wahrheit entfernt liegt und beweist, dass derjenige, der sie benutzt, keine Ahnung davon hat. Es gab nämlich riesige Unterschiede zwischen der Entwicklung der Sklaven in den englischen (protestantischen) und den spanischen bzw. französischen (katholischen) Kolonien, die zu diesen beiden Ausprägungen führten.
Die englischen Sklaven hatten absolut keine Rechte, wurden nicht einmal als Menschen betrachtet und fanden im spröden Protestantismus keinen Anknüpfungspunkt an ihre Traditionen und ihren Glauben. Deshalb mussten sie, um wenigstens ein bißchen ihrer Überlieferungen zu retten den Weg des Hoodoo gehen, der eher magisch geprägt ist als der des Voodoo, welcher den Charakter einer Religion hat.

In den von Katholiken eroberten Gebieten hatten Sklaven nicht viele, aber doch etwas mehr Rechte, sie wurden zudem als Menschen betrachtet, nicht als Gegenstände. Durch die katholische Heiligenverehrung, die gewisse Ähnlichkeiten mit dem Glauben großer Gruppen von Sklaven hatte, konnten sie am eigenen Glauben anknüpfen.
So entstand der Synkretismus aus der Not heraus und mit ihm die verschiedenen Ausprägungen des Voodoo (der sich wiederum in unterschiedliche Traditionen unterteilt je nach "nation", also dem Ursprungsgebiet der Sklaven, z.B. Rada, Congo, Petro) und anderer Kulte, wie zum Beispiel Santeria, Macumba, Candomble usw.
Allesamt sind sie Religionen, die in der Gemeinschaft wurzeln und wie die hiesige Kirche ihre Priester, feste Rituale, Feiertage und eine hierarchische Struktur besitzen.
Ganz im Gegenteil zum Hoodoo, der u.a. keine Priesterschaft kennt, weil das alte Wissen unter der Herrschaft der Protestanten keine andere Möglichkeit hatte, weiter gegeben zu werden. Die Parallelen zum Hexentum sind nicht zu übersehen: beide Wege mussten im Untergrund bestehen, wenn sie das alte Wissen schützen und bewahren wollten. Doch wo man spirituelle Traditionen nicht frei leben kann, da blüht natürlich auch die Legendenbildung auf.

Wenn man liest, was oft über afrikanische Traditionen geschrieben wird, dann wundert man sich über die Leichtgläubigkeit vieler Menschen, die das ohne nachzufragen für bare Münze nehmen.
Da herrscht einerseits die Furcht vorm schwarzen Mann der mit verdrehten Augen wilde Flüche ausstößt (Hollywood lässt grüßen...), auf der anderen Seite wittert so manche(r) außergewöhnliche Macht und will mithilfe irgendwelcher, aus dem Zusammenhang gerissener Rituale, sein Ego manifestieren.
Es wird noch immer viel rassistischer Unsinn verbreitet, fast fühlt man sich an die Traditionen der Zigeuner erinnert: mit ihrer mystischen Aura wollen sich viele nur zu gerne schmücken, aber wehe auf der Straße bettelt einen ein echtes Sintimädchen an, dann ist schnell Schluss mit der spirituellen Toleranz.

Mit angeblicher Voodoomagie werden zum Teil unanständige Summen verdient, ohne dass auch nur einer der Kunden fragen würde, wo denn nun der Tempel und die Gemeinde des "Priesters" bzw. der "Priesterin" wären...
Das ist genau dasselbe als würde man bei uns einfach behaupten, Pfarrer zu sein. Doch in der Not möchte man natürlich glauben und hofft, dass an den großspurigen Versprechungen doch etwas dran sein könnte - was nur allzu menschlich ist. Doch bald schon kommt das böse Erwachen...
Andererseits: wer sich nicht informiert, trägt mit Schuld daran, wenn er über den Tisch gezogen wird. Es steht schließlich jedem frei, sich zu informieren und die Hintergründe und Traditionen anderer Kulturen näher kennen zu lernen.
Denn es ist wahr, dass diese Magie, positiv und mit dem Herzen betrieben, großen Segen beinhaltet. Doch das, was vielerorts als "Voodoozauber" oder "Puppenmagie" angepriesen wird, hat nur einen einzigen Zweck: aufgrund einer archaischen Exotik möglichst hohe Preise zu fordern.

Ich höre das leider immer wieder von Klienten und Ratsuchenden und es schmerzt einem das Herz dabei: einige "Berater" benutzen das Wort Voodoo wie einen Blankoscheck, um Honorare jenseits von gut und böse zu fordern. Oft geht das ab 1.000 € aufwärts erst richtig los und nicht selten werden plötzlich weitere Beträge gefordert, weil angeblich noch etwas nachzuarbeiten wäre.
Man kann diesbezüglich nur warnen! Selbstverständlich braucht gute Magie gute Zutaten und fordert dem Ausführenden einiges ab. Gute Rituale sind harte Arbeit, denn das Bewegen der Energien geschieht ja nicht von selbst. Trotzdem sollte sich alles in einem gewissen Rahmen bewegen.
► Ein paar Worte der Warnung Voodoo ist kein exotischer Spaß und Voodoo ist auch keine Laienreligion, mit der man frei experimentieren kann. Schon gar nicht aus Büchern heraus! Wer nach dem Motto vorgeht: "Mal sehen, ob das klappt...", der wird sein blaues Wunder erleben. Voodoo ist eine Religion mit fester Priesterschaft, die mehrere Jahre in harter Arbeit ausgebildet wird, um den Umgang mit den Loa zu erlernen. Dies passiert im ständigen Kontakt mit erfahrenen Priestern, die den Weg des Initianden begleiten. Warum wohl? Weil man das eben mal gefahrlos aus einem Buch erlernen könnte? Wohl kaum. Also Finger weg von reißerischen Büchern und angeblicher "Voodoomagie"! Die schon aus kleinen Fehlern entstehenden Schäden sind oft nur schwer oder gar nicht mehr zu beheben. |

Hoodoo - Rootwork
Hoodoo ist eine vorwiegend (aber nicht ausschließlich) schwarzamerikanische Volksmagie, welche Einflüsse aus der ganzen Welt kreativ und harmonisch in sich vereinigt. Von den chinesischen Lucky Numbers, über den englischen Spiritismus, bis hin zu westafrikanischen Bräuchen und indianischen Einflüssen - man kann dem Hoodoo wahrlich keine Intoleranz fremden Traditionen gegenüber vorwerfen. Diese Tradition ist ein dynamischer Schmelzkessel magischer Systeme und das bei weitem nicht nur in New Orleans und den Südstaaten.
Wie so oft, war auch beim Hoodoo mein Antrieb, die Wurzeln zu finden. Jeder kennt die Anna Riva oder z.B. Seven Sisters Produkte, Glaskerzen, magische Powder und all die anderen Sachen (High John, Tonkabohnen, Luck Hand Root, ...), deren Namen mal ganz klare Ansagen darstellen, wie „Come to me“, manchmal aber auch erst im Zusammenhang verstanden werden, wie z.B. „Algiers“ (das nichts mit Algerien, sondern einer Kleinstadt nahe New Orleans zu tun hat).
Doch ich suchte den Hoodoo hinter diesen Dingen. Denn wie bei den hiesigen Hexen, gab es auch im amerikanischen Hoodoo eine Zeit, bevor die "magische Industrialisierung" zuschlug, in der großen Ära des Blues, als noch traditionell gearbeitet wurde und z.B. die magischen Öle persönlich vom Root Doctor oder einer "Tante" hergestellt wurden, die man heutzutage natürlich als magische Beraterin bezeichnen würde.
Kaum begann ich mich intensiv damit zu beschäftigen, wurde meine innere Führung aktiv und brachte mich auf magischen Wegen (das, was man glückliche "Zufälle" nennt) zu unverhoften Kontakten und raren Büchern, die zum Teil noch aus den 40ern des letzten Jahrhunderts stammen. Als Hexe ist man schließlich stets interessiert, von anderen zu lernen und sich mit ihnen auszutauschen.

Gute Bücher
Wer in die afrobasierten Traditionen hinein lesen möchte, hat es oft nicht leicht. Es gibt zwar jeden Schmarrn bis hin zum Nadel-Püppchen fürs Büro und irgendwelche angeblich echten Enthüllungen, das Meiste schwimmt jedoch reißerisch an der Oberfläche und verrät kein bißchen über die Poesie und die lebendige Kraft dieser Traditionen.
Die folgenden Bücher kann ich Interessierten guten Gewissens empfehlen.
Deutsch
"Jambalaya" (Luisah Teish) - von Luisa Francia übersetzt, ein Buch für Frauen, das die Orishas der Santeria mit klassischem New Orleans Hoodoo mixt, mit Übungen und konkreten Ritualen, aber vor allem: mit viel Soul, Lebenserfahrung und Witz geschrieben!
"Onkel Toms Hütte" (Harriet Beecher Stowe) - das 1852 erschienene Buch war ein literarischer Meilenstein für die Sklavenbefreiung, ein berührendes Buch und ein großartiger Roman
"Mama Lola" (Karen McCarthy Brown) - die Erzählung des Lebens einer Voodoopriesterin zwischen Haiti und Brooklyn, mit allen Widersprüchen, Problemen und spirituellen Brüchen die das beinhaltet, absolut fesselnd und einfühlsam
"Die Farbe Lila" (Alice Walker) - ein Klassiker, der eindringlich die doppelten Probleme von schwarzen Frauen in den 20ern beschreibt: einerseits aufgrund ihrer Hautfarbe, andererseits durch die Gewalt ihrer Männer, der sie ausgesetzt waren
"Roots" (Alex Haley) - in seinem Roman geht Alex Haley zurück in das Jahr 1750 und beginnt von dort aus, die Geschichte seiner Familie zu erzählen
"Im Gedächtnis der Zeit" (Julius Lester) - ähnlich wie "Roots", aber von einem ganz anderen Standpunkt aus geschrieben, nämlich aus der spirituellen Sicht
"Voodoo" (Leah Gordon) - ein hübsches, buntes Buch in dem Wesenheiten, Traditionen und Rituale des haitianischen Voodoo vorgestellt werden, wunderschöne Fotos
"Voodoo in Haiti" (Alfred Metraux) - keine Scheuklappen, sondern der klare Blick eines Ethnologen, der feinfühlig Zusammenhänge und Grundlagen analysiert
Englisch
"Secrets of Voodoo" (Milo Rigaud) - Milo Rigaud wurde 1903 in Port au Prince geboren und zeigt hier einen ganz traditionellen Voodoo auf, die Verweise auf astronomische und symbolische Zusammenhänge zeigen deutlich, dass es eine hochstehende Spiritualität und bestimmt nix für die "Wilden" ist, interessant auch die Querverweise in denen er die Tradition bis ins Heilige Land zurück verfolgt - was in Ansätzen erklären könnte, warum Voodoo und Kabbala (s.das Tarot von Sallie Ann Glassmann) gut zusammen gehen.
"The Altar of my Soul" (Marta Moreno Vega) - hier geht es um die kubanische Santeria, verknüpft mit der Geschichte der Autorin und ihrem Weg zur Priesterin (Santeria).
"The New Orleans Voodoo Tarot" (Sallie Ann Glassmann, Louis Martinie) - unglaublich inspirierend, die Querverweise zwischen Zeremonialmagie, Kabbala und Voodoo sind erhellend, die Wesenheiten werden umfassend beschrieben und es gibt schöne Ansätze zum eigenständigen Arbeiten, man sollte vorher allerdings schon ein bißchen dazu gelesen haben um sich zwischen all den Begriffen zurecht zu finden.
"Voodoo & Hoodoo" (Jim Haskins) - eine Einführung in beide Wege, gerade die geschichtliche Entwicklung wird gut beschrieben.
„ Sticks, Stones, Roots & Bones: Hoodoo, Mojo & Conjuring with Herbs“(Stephanie Rose Bird) – wer vor allem nach Mischungen (Öle, Puder usw.) und nach historischen Fakten über die verschiedenen Ströme der Sklaven und ihrer Befreiungsbewegung sucht, wird hier fündig.