Ein paar Gedanken zum Thema Astro-Hotlines

© Kartenabbildungen mit freundlicher Genehmigung
des Königsfurt-Urania Verlages.
Die Frage nach den Astro-Hotlines wird öfter einmal gestellt, so dass ich sie hier einmal ausführlich anschneiden wollte, um ein paar Facetten dieses Themas zu beleuchten.
Ich kenne Kolleginnen, die vorwiegend über Hotlines arbeiten, ich kenne Menschen, die so etwas völlig ablehnen, solche die damit Schulden gemacht haben und andere, die sehr zufrieden mit ihrer „Hotlinefee“ sind und auch sehr bewusst dort anrufen.
Nicht zuletzt habe ich selbst eine Weile für das Telefonteam der Zeitschrift AstroWoche gearbeitet, doch schnell festgestellt, dass auf diese Weise nur schwer ein entspanntes, vertrauliches Beratungsgespräch möglich ist.
Diese Medaille kennt viele Gesichter, wie nicht anders zu erwarten war. Ich sage dazu immer: Mit den Hotlines ist es wie mit Modern Talking. Niemand gibt zu, die Musik zu hören, aber trotzdem ist Dieter Bohlens Haus mit goldenen Schallplatten gepflastert.

Grundsätzlich gesehen ist das, was über eine Hotline passiert, eine Dienstleistung. Man kauft sich Zeit bei einem Berater oder einer Beraterin und unterhält sich in dieser Zeit – mal mehr, mal weniger erfolgreich, was wohl von beiden Seiten abhängt. Dass dafür Honorar fließt ist verständlich. Das ist schließlich überall so, wo gearbeitet wird. Denn Berater/innen sind keine Freunde, sie arbeiten mit dem, was sie tun, für die Anrufer/innen.
Wie in allen Berufen gibt es Gute und Schlechte und was gut oder schlecht ist, das unterscheidet sich oft erheblich in der Wahrnehmung des Einzelnen. Es hängt immer von dem ab, was man sich vorgestellt hat.
Leider wandeln sich manche Berater/innen sehr durch dieses Geschäft, schon einige haben ihre Fähigkeiten eingebüßt, weil sie mit ihrer Gabe nicht richtig umgegangen sind. Andere konnten noch nie Karten legen, sondern sehen einfach nur das schnelle Geld und erzählen dir - mit Verlaub - einen vom Pferd, so lange du nur lange genug in der Leitung bleibst, doch dazu weiter unten mehr.

In den Medien erfährt man vorwiegend von süchtigen Anrufern, die damit in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind (schlimm genug, dass die Medien so etwas immer nur am Geld fest machen, nicht an den menschlichen Nöten, die da mitspielen) und wenig über diejenigen, die Kartenlegen am Telefon dosiert und positiv nutzen.
Vom inneren Mechanismus her gibt es keinen Unterschied zwischen den verschiedensten Süchten, egal ob nach Alkohol, Medikamenten, Shopping, Computerspielen oder eben telefonischen Beratungen.
Alle Suchtstrukturen brauchen ärztliche Behandlung und Ärzte benötigen einen Patienten, der sagt: Ich will das ändern. Das ist wie bei einem Alkoholiker, auch der beste Arzt kann ihm nicht helfen, wenn die Bereitschaft, gesund zu werden, nicht da ist.

Problematisch ist auch, dass manche Berater/innen abhängig (passt irgendwie auch zur Sucht, nicht?) von einem Portal und ihren Umsätzen dort sind. Damit sinkt die Bereitschaft, jemanden abzuweisen oder einfach nur die Wahrheit zu sagen, wenn sie nicht das ist, was sich der Anrufende erhofft hat.
In normalen Beratungen kann es auch passieren, dass ein Klient (ja, dort heißen sie noch Klienten, nicht Kunden) nicht gerade erfreut ist über die Karten. Aber viele von ihnen kommen nach einem viertel oder halben Jahr wieder und sind froh, dass man sie damals nicht ins offene Messer laufen ließ, auch wenn es nicht leicht war, das Gesagte anzunehmen. Wir sind alle bloß Menschen und es ist in Ordnung, auch mal emotional zu reagieren.

Doch wie will man das im schnelllebigen Hotlinegeschäft umsetzen? Sagt man die Wahrheit, dann sind nicht wenige beleidigt und „würgen dem Berater eine rein“, nämlich via Bewertung.
Ich kann Kolleginnen verstehen, die irgendwann keine Lust mehr haben, die Wahrheit zu sagen. Aber dann wäre es besser, auf anderen Wegen Karten zu legen, als den Leuten einfach nach dem Mund zu reden. Das ist übrigens auch der Grund, warum viele gute Kartenleger bewusst auf Hotlines verzichten bzw. nur ergänzend, aber niemals hauptberuflich dort arbeiten würden: es brennt dich aus.
Und es gibt genügend Menschen, die würden sich die gute, alte Kartenlegerin um die Ecke oder über eine ganz normale Telefonverbindung wünschen, mit einem festen Termin und einem festen Preis. Näheres dazu erläutere ich auch im 4. Teil meines Tarotkurses, wo das ein großes Thema ist. Denn niemand ist gezwungen über Hotlines zu arbeiten, es gibt genügend andere Wege!

Übrigens ist das oft auch für den Berater angenehmer. Nichts ist schlimmer, als ein Klient, der unter Zeitdruck anruft, weil er Minuten einsparen will und man soll dann in 5 Minuten (wenn überhaupt) möglichst auch noch wichtige Entscheidungen für sein/ihr Leben treffen. Dazu dröhnt im Hintergrund der Fernseher, die Kinder werden ständig ermahnt dieses oder jenes zu tun oder zu lassen, der Hund kläfft, Zigaretten werden gesucht, die Oma kommt rein...
Das habe ich alles schon erlebt und auf die Frage, ob man nicht später noch einmal in Ruhe anrufen möchte, erntet man meist auch noch völliges Unverständnis.

Natürlich haben die meisten Menschen viel um die Ohren, aber wenn ich von meinen Beratungen ausgehe, dann findet sich da immer ein Weg. Sei es, dass man ausnahmsweise einen Termin am Wochenende vereinbart oder über schriftliche Analysen sowieso unabhängig von Terminen ist.
► Mein Fazit: als alleiniger Beratungsweg sind Hotlines sowohl für den Berater, als auch für den Klienten ein sicherer Weg, sich ausgebrannt zu fühlen.
Es kann ein gutes ein Extra sein oder einfach eine zusätzliche Möglichkeit, alles andere führt jedoch oft direkt in Abhängigkeiten und die großen Gewinner dabei sind weder Klienten, noch Berater.
Die eigentlichen Gewinner werden in diesem Geschäftsmodell kaum betrachtet, sie sitzen ganz woanders und stecken den Löwenanteil von allem ein. Das ist wie im Casino: die großer Gewinner sind weder die Angestellten, noch die Spielenden, es ist immer die Bank. Mittlerweile geben einige der großen Hotlines ihren Beratern spezielle Schulungen, in denen sie lernen, mit welchen Tricks man Anrufer möglichst lange in der Leitung hält. Was das dann noch mit Lebensberatung zu tun hat, ist eine berechtigte Frage.
Doch während viele Anrufer mutmaßen, dass die Astroberater auf den Hotlines eine goldene Nase verdienen, können diese schon froh sein, wenn sie um die 40% des jeweiligen Minutenpreises verdienen - vor Steuern. Und manche nicht einmal das, wenn sie an einen unseriösen Anbieter geraten sind, der plötzlich neue Regeln aufstellt und die Berater nach Belieben ausnutzt.

