Voodoo = Angst?

 

 

Man kann nicht über Voodoo reden, ohne auch die Schattenseiten zu sehen. Ich sage das, ohne zu werten, denn der Mensch hat es bis jetzt bei jeder Religion geschafft, für schlechte Beispiele zu sorgen! Wenn hierzulande den Leuten in irgendwelchen Lichtzentren "negative Besetzungen" eingeredet werden, um Macht über sie zu gewinnen, dann ist das nicht weniger schwierig.

Zudem gibt es "den Voodoo" nicht, denn jede Gemeinde ist für sich selbst verantwortlich und gestaltet diese Religion auf ihre eigene Weise aus. Man muss in diesem Zusammenhang auch im Auge behalten, dass natürlich viel mehr über Negatives geredet wird, als über das Gute. Eine Voodoomammi, die als Heilerin arbeitet und die spirituellen Feste des Dorfes leitet ist für die Medien einfach nicht spektakulär genug.

Das Gute nehmen wir zudem meist selbstverständlich hin oder ignorieren es sogar, während unsere Augen umso intensiver am ungewohnten, fremden oder unverständlichen hängen bleiben.

Gerade in armen Gebieten, in denen zahlreiche Menschen von Bildung und Fortschritt nur träumen können, gibt es auch negative Ausprägungen des Voodoo. Dann wird es zu einer Religion der Angst. Man hat Angst vor den Geistern und vor den Priestern. Ihre Macht wird gefürchtet. Hat man (versehentlich) einen Loa beleidigt? Hat man dem Priester zu wenig gezahlt? Wird man jetzt dafür verflucht?

Manchmal ist die Beziehung zum Priester nicht liebevoll-beratend, von gegenseitiger Achtung getragen, sondern eher von Angst seitens des Ratsuchenden dominiert.

Doch es gibt noch tausend weitere Gründe, Angst zu haben: vor der schwarzen Magie anderer, vor den Unsummen, die Rituale verschlingen können, vor übernatürlichen Krankheiten, vor (versehentlichen) Fehlern in einem Ritual, die sich böse rächen werden. Was sie wirklich tun können, weshalb man entschieden davon abraten muss, irgendwelche Experiente auf eigene Faust zu machen, die womöglich aus unseriöser Quelle stammen. 

Für Europäer ist diese Mentalität oft nur schwer zu verstehen, weshalb man sich davor hüten sollte, über andere zu urteilen. Wobei man dazu sagen muss, dass sich gerade in ländlichen, europäischen Gegenden z.T. identische Glaubensmuster finden, wenn auch vor einem anderen spirituellen Hintergrund.*

Zudem haben wir in den Zeiten der Hexenprozesse und der jüngsten deutschen Geschichte wahrlich nicht mit Grausamkeit gespart, es steht uns nicht zu, andere abzuwerten, nur weil wir etwas nicht nachvollziehen können. Trotzdem dürfen diese Aspekte des Voodoo nicht unter den Teppich gekehrt werden.

 

 

* Wer mehr dazu lesen möchte, dem seien die Bücher: "Die Wörter, der Zauber, der Tod" von Jeanne Favret-Saada und/oder "Ein Füllhorn göttlicher Kraft" von Johanna Wagner ans Herz gelegt.