Wurforakel

Geworfene Orakel haben eine lange Tradition, die wohl bis an die Anfänge der Menschheitsgeschichte zurück geht. Bekannte Varianten sind das chinesische I Ging, die afrikanischen und karibischen Kaurimuscheln oder das Werfen von Runen und Orakelstäbchen. Bis heute wirft man eine Münze, wenn es etwas auszulosen gilt, bei dem man sich nicht einigen kann.
Es ist für den Unerfahrenen erstaunlich, dass scheinbar zufällig durcheinander geworfene Muscheln oder Stäbchen eine Aussage zu unserer persönlichen Situation treffen können. Wer es schon ein paar Mal gemacht hat, wird sich nicht mehr wundern. Denn man wirft ja nicht irgendwie ins Blaue hinein, sondern mit der festen Absicht, eine Frage zu erhellen. Und darauf antwortet das Orakel.
Mehr als bei anderen Wahrsagemethoden (z.B. Kartenlegen) kommt es bei den geworfenen Orakeln darauf an, intuitiv zu deuten und Zusammenhänge aus der Lage der verschiedenen Objekte abzuleiten - aber eben nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen! Das ist nichts, was über den Verstand läuft, weshalb man es auch nicht aus Büchern lernen kann. Man kann nur: üben, üben, üben. Und eines Tages versteht man, was gemeint ist.
Das braucht seine Zeit, auch in Bezug auf die Deutung selbst. Mit schnellem "Instant-Wahrsagen" haben Wurforakel nichts zu tun, erst aus der intensiven Beschäftigung mit dem Orakel entsteht die Deutung. Und ich finde, genau das macht es so wertvoll.
Mittlerweile gibt es massenhaft Bücher und Anleitungen nach dem Motto "Orakel: einfach + schnell". Damit geht der Schuss nach hinten los, denn Sinn und Zweck eines Orakels ist doch nicht eine Zeitersparnis, sondern die Möglichkeit, mit sich und seinem Schicksal ins Reine zu kommen.
Da kann es keinesfalls schaden, sich (wieder) Zeit zu nehmen, der inneren Stimme die Möglichkeit zu geben, zu uns zu sprechen und die Sinne zu schärfen, anstatt sich mit Schnellschüssen zufrieden zu geben.
