Astrologie

Astrologie: ein Gefühl für die
Verbindungen im Leben bekommen.
Von Skeptikern hört man zum Thema Astrologie gerne die Feststellung: Wie soll das denn gehen, die Sterne sind doch so weit weg, sie können bestimmt nicht auslösen, dass ich dieses oder jenes tun werde.
Und wisst ihr was?
Da haben die Skeptiker völlig recht. Schon Thomas von Aquin (man würde es einem Kirchenlehrer heute nicht mehr zutrauen, aber damals waren auch Astrologie und Astronomie noch nicht gespalten) sagte: „ Astra inclinant, non necessitant!“ – die Sterne machen geneigt, doch sie zwingen nicht. Wir hängen keineswegs als Marionetten vom Sternenhimmel herab!
Die Sterne färben die Qualität einer Zeit ein oder um es etwas weniger esoterisch auszudrücken: sie machen die allgemeine Grundstimmung, geben Rückenwind oder verlangsamen unsere Vorhaben.
Sie sind die Musik, aber wir entscheiden, wie oder was wir tanzen wollen. Bewegt man sich zum Takt, wird es harmonischer, hat man keine Lust darauf, dann geht’s eben etwas vielschichtiger zu Sache. Wer sagt denn, dass das nicht auch mal Spaß macht?

Übrigens ist die Astrologie immer noch eine Kunst der Deutung, der Astrologe ist der Sterndeuter. Das wird im Zeitalter der vorgefertigten Computerhoroskope gerne vergessen. Es gibt genügen Astrologen, die zwar bestens ihr Programm bedienen können, aber nicht ein einziges Sternbild am Himmel erkennen würden.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ein bißchen komisch finde ich das schon. Es geht schließlich um den Blick in die Weiten des Kosmos, getreu der hermetischen Weisheit: „Wie oben, so unten.“ Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass mit „oben“ der Blick zum Computerbildschirm gemeint war.
Manche Astrologen können zudem nicht widerstehen den Eindruck zu erwecken, als wäre das Leben, wie eine mathematische Gleichung, mit Hilfe der Sternenbahnen berechenbar. Das ist es nicht und das soll es auch gar nicht sein. Dann könnte man auch gleich in die große, hölzerne Kiste springen und den Deckel schließen, weil eh schon alles gelaufen ist. Das wäre doch schrecklich langweilig!

Genau wie bei den Tarotkarten und anderen Orakeln, ist es auch in der Astrologie die Königsdisziplin, Muster zu ergründen und daraus möglichst kluge Schlüsse zu ziehen. Man wirft sozusagen einen Blick hinter die Kulissen, um das, was auf der vordergründigen Lebensbühne passiert, zu verstehen und ggf. umzugestalten, wenn es einem nicht gefällt.
Die Astrologie – vernünftig, sowie mit etwas Humor und Weitsicht betrieben – birgt aber noch einen ganz anderen Schatz: sie gibt uns die Zyklen des Lebens zurück und damit einen gewissen Halt in einer immer schneller werdenden Zeit.
Welche Fixpunkte gibt es denn heute noch? Seit Erfindung des elektrischen Lichts kann rund um die Uhr gearbeitet werden und so wunderbar neue Techniken wie Internet und Handys auch sein mögen, sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass viele Menschen das Wort Feierabend nur noch vom Hörensagen kennen. Schnell mal noch eine Mail, eine Nachricht über Skype losschicken oder das berufliche Handy gleich mit in den Urlaub nehmen, falls mal etwas ist...
Natürlich kann ein Blick ins Horoskop nicht den Stress der modernen Arbeitswelt beiseite wischen. Aber die Beschäftigung mit dem gleichmäßigen Lauf der Gestirne kann (gerade auch in Meditationen) von großem Nutzen sein, um sein Zeitgefühl zurück zu bekommen und das eigene Gespür für die verschiedenen Rhythmen des Lebens (wieder) zu entdecken.
Die schönste Sternenmeditation ist natürlich immer noch der Blick in den nächtlichen Himmel.
