Astrologie gestern & heute

Im Grunde betrifft die Frage nach gestern und heute nicht nur die Astrologie, sondern alle spirituellen Bereiche, sei es das Kartenlegen (Sind es nun Tendenzen, die die Karten anzeigen oder ist es das, was unweigerlich kommen wird?) oder die individuelle Beziehung zum Göttlichen (Will ich mich an konkrete Gottheiten / Gott / die Göttin wenden oder lieber selbst gestaltete Wege gehen?).
Man hat das Gefühl, als würde die „alte Zeit“ (Gott/das Schicksal bestimmt dein Leben) gerade von einer „neuen Zeit“ (du bist für alles selbst verantwortlich) abgelöst werden. Dass das leicht zur absoluten Überforderung werden kann, liegt auf der Hand. Umgekehrt können allzu schicksalsgläubige Tendenzen genauso schädlich wirken, indem man nur noch abwartet und das eigene Leben nicht genügend in die Hände nimmt.

In der Astrologie sieht man das besonders deutlich, hier stehen sich die Vertreter der sog. Klassischen Astrologie oft unversöhnlich mit denen der sog. Psychologischen Astrologie gegenüber.
Viele psychologisch eingestellte Astrologen lehnen es z.B. ab, konkrete Fragen anhand der Sterne zu beantworten (die sog. Stundenastrologie), während sie dem Fragenden nur Tendenzen an die Hand geben wollen, damit er selbst seine Erfahrungen machen kann.
Umgekehrt findet man in der klassischen Astrologie (wie in kaum einem anderen esoterischen Bereich!) zahlreiche aufgeblasene Egozwerge, die sich aufspielen als wären sie der liebe Gott persönlich, der dem Fragenden sein Schicksal aus den Sternen zuteilt. Dass das nicht gut bei selbstbewussten Ratsuchenden ankommt, versteht sich von selbst. Eine gute Beratung findet schließlich auf Augenhöhe statt.

Die klassischen Astrologen (unter denen es natürlich auch viele vernünftige Leute gibt) werfen der psychologischen Richtung oft vor, die Ratsuchenden mit ihrem Schicksal allein zu lassen und die Aussagen der Sterne zu einem belanglosen Wischiwaschi verkommen zu lassen, wenn sie z.B. von „entgegen kommenden Impulsen“ reden würden, anstatt vor einer erhöhten Unfallgefahr in einem bestimmen Zeitraum zu reden.
Darauf würde ein psychologischer Astrologe vermutlich antworten: Wie kann man nur! Der arme Mensch fürchtet sich dann vor einem Unfall, der vielleicht gar nicht passiert oder zieht ihn sogar erst dadurch an, weil die Aussage des Astrologen zu einer selbst erfüllende Prophezeiung wird!
Nun, die Grabenkämpfe zwischen beiden Richtungen sind zäh und unerfreulich. Und sie sind zudem auch noch völlig unnötig, wenn man einmal logisch nachdenkt. Die tägliche Erfahrung zeigt uns, dass Schicksal und eigenes Handeln stets eng verknüpft sind. Viel zu eng, um sie auseinander zu reißen und nur noch eine Hälfte dieser beiden Bereiche als alleinige Ursache für unsere Lebenserfahrungen zu betrachten.

Ein Beispiel: jemand bremst mit dem Auto vor einem ab, man schafft es kaum noch zu stoppen und fährt ihm hinten drauf. War das jetzt Schicksal oder Eigenverantwortung? Beides! Das Schicksal hat dafür gesorgt, dass einem genau dieser Mensch zu dieser Zeit über den Weg fährt. (Shit happens...) Aber man selbst ist dafür verantwortlich, auf die Bremse zu treten, um Schlimmeres abzuwenden.
Es ist also absolut unverständlich, warum sich diese beiden Wege nicht die Hand reichen können, wo doch glasklar ist, dass erst beide Hälften ein Ganzes ergeben. Beim Kartenlegen sagt man gerne: das Schicksal gibt uns die Karten, aber wir spielen sie aus. Wer gut im Pokern ist, kann auch mit einem vermeintlich schwierigen Blatt das Spiel gewinnen. Es ist an uns, wie wir mit den Gegebenheiten umgehen wollen.
Äußeres Schicksal und persönliches Handeln sind wie ein Ying und Yang Symbol untrennbar in einander verwoben. Nur mit einer ganzheitlichen Sichtweise findet man die goldene Mitte. Das Voraussagen hat darin genauso seinen Platz, wie die eigenverantwortlichen Entscheidungen, die jeder von uns trifft.
