Solo-Hexen

Wenn man so will, dann gibt es zwei unterschiedliche Varianten von Hexen: die einen arbeiten gerne in einer Gruppe, andere bevorzugen den Weg allein. Wobei allein eigentlich das falsche Wort ist, denn nur weil man nicht in einer festen Gruppenstruktur arbeitet, heißt das noch lange nicht, dass man keine Kontakte pflegen würde.
Die Mehrzahl der heutigen Hexen wählt genau diesen Mittelweg und arbeitet (vorwiegend) allein, pflegt jedoch muntere Kontakte zu anderen Hexen und natürlich auch spirituellen Menschen anderer Wege. Hier war das Internet ein echter Meilenstein und man kommt schon ins Schmunzeln, dass die alten Wege ausgerechnet durch dieses relativ neue Medium so stark gewinnen konnten.
Beide Wege sind gleich gut – oder gleich schlecht. Es kommt ganz darauf an, was man erwischt und welcher Typ man ist. Viele genießen den eigenständigen Weg, denn auch er ist ein Weg als solcher, nicht etwa eine Notlösung.
Die Figur der einzelnen Hexe, die für ihre Gemeinschaft sorgt ist tief in unserem kulturellen Gedächtnis eingegraben und sei es in Form des Klischees der alten Frau mit ihrer Katze, die gegen jedes Wehwehchen die richtigen Kräuterrezepte kennt. Diese Bilder kommen nicht von ungefähr, sie sind Erinnerungen aus früheren Zeiten.

Der Weg als Solohexe bedeutet für viele die Freiheit, den alten Pfad überhaupt gehen zu können, das muss ebenfalls gesagt werden. Wer beruflich stark eingespannt ist, (allein) Kinder erzieht oder beispielsweise die Eltern pflegt, der wird an dieser Stelle wissend nicken. Die Arbeit in einer Gruppe benötigt die Zeit und das Engagement aller einzelnen Mitglieder, wenn sie gelingen soll.
Eine funktionierende Gruppe ist eine echte Herausforderung. Wo Menschen sind, da menschelt es bekanntlich auch, so dass manche Gruppen eher einem Kaffeekränzchen voller Klatsch und Tratsch gleichen und andere wiederum ein straffes, auf eine bestimmte Führungsperson ausgerichtetes System verfolgen. Jeder muss wissen, was ihn glücklich macht.
Einige gute Gruppen arbeiten aus diesem Grund am liebsten ganz für sich und lassen neue Mitglieder – wenn überhaupt – erst nach langen Probezeiten zu, weil sie wissen, wie wertvoll ihre Harmonie der Kräfte für die spirituelle Arbeit ist. Man kann es ihnen nicht verdenken.
Es gibt aber auch Hexen, die eine Arbeitspartnerschaft bilden, sei es mit dem Partner, der Partnerin oder einer Freundin / einem Freund. Dieses Modell wird recht selten erwähnt, dabei betrifft es gar nicht so wenige Praktizierende. Das geht vom intensiven Austausch über die verschiedenen Themen bis hin zu Müttern, die sich zusammen tun und rauschende Familienfeten zu den Jahreskreisfesten geben. Bekanntlich sind alle Handlungen der Liebe und der Freude die Rituale der Göttin!

Egal, ob du deinen Weg allein, zu zweit oder in einer Gruppe gehen möchtest: lass dir Zeit dabei und erwarte nicht, dass dir das Leben sofort die passenden Arbeits- oder Austauschspartner an den Strand spült. Das braucht oftmals Jahre, kann dann aber für ein Leben halten – oder auch wieder auseinander gehen, so ist das Leben manchmal.
Verliere dich nicht in der Suche nach einem Guru, Lehrer oder ähnlichem. Wenn du nicht weißt, was zu tun ist, bitte Göttin und Gott (je nach deiner persönlichen Ausrichtung) um Führung und sie werden sie dir zukommen lassen. Ich spiele damit auf eine ganz bestimmte Sache an: wo Wissen lange Zeit geheim war und dann immer breiter zutage tritt, entsteht automatisch eine Lücke.
Es gibt (noch) nicht genügend offen Praktizierende, aber bereits viele Interessenten, die mehr darüber lernen wollen. Manche Leute machen sich das zunutze und verfahren nach dem altbekannten Muster: teurer = besser/geheimer/mystischer. Einmal erzählte mir eine Frau, dass sie für die Ausbildung in einem Hexenkreis allen Ernstes 15.000 Euro bezahlen sollte. Für einen Moment hatte sie tatsächlich überlegt... Vorsicht bei solchen Dingen!
Natürlich ist es völlig OK, dass Kurse, Workshops oder Seminare etwas kosten. Der Kursleiter hat schließlich viel Arbeit und Mühe hinein gesteckt. Einen Führerschein gibt’s auch nicht für umsonst. Und damit lässt sich das ganz gut vergleichen. Denn alles, was man tut, um zu lernen und sich weiter zu entwickeln, sollte dazu dienen, selbst „fahren“ (fliegen?) zu können und nicht dazu, in Abhängigkeitsverhältnisse gezogen zu werden, die einem keine freie Entfaltung erlauben!
