Orakelsommer – Das Buchstechen

In diesem Jahr mache ich einen Orakelsommer im Blog, in dem ich verschiedene alte Orakel vorstelle. Die Orakel findet ihr natürlich auch hier auf der Homepage und es beginnt mit dem guten, alten Buchstechen.

 

Noch vor 100 Jahren gehörte das Buchstechen zu den sehr beliebten Orakeln, auch wenn es heute fast in Vergessenheit geraten ist.

Technisch gesehen ist es denkbar einfach: man braucht ein Buch, ein Messer (oder einen ähnlichen Gegenstand, Brieföffner sind wunderbar und beschädigen das Buch nicht) und einen Moment der Ruhe.

Wenn man sich entspannt hat, denkt man konzentriert an seine Frage und sticht dann mit geschlossenen Augen seitlich in die Seiten des Buches hinein, öffnet das Buch und liest nach, was an dieser Stelle steht. Das Gelesene wird dann in Bezug auf die Frage interpretiert.

Wie so oft sind die technisch einfachen Orakel in Wirklichkeit ein bißchen anspruchsvoller, das merkt man auch beim Buchstechen schnell. Besonders wichtig ist die Vorbereitung: dass man die Frage in Ruhe erwägt und vorher erst einmal meditativ entspannt. Gerade die einfachen Orakel sind nichts “für zwischendurch”. Man könnte fast sagen: je einfacher das Orakel, desto besser muss die Vorbereitung sein.

Da hat jeder so sein Rezept, die einen meditieren und klären dabei den Geist, andere trinken eine Tasse Tee und kommen dabei vom stressigen Alltag runter. Wichtig ist nur das Ergebnis: dass man innerlich gesammelt ist, bevor man seine Frage stellt.

Früher verwendete die Volksmagie vor allem die Bibel als Orakelbuch. Für Leute mit christlicher Ausrichtung ist das auch immer noch eine gute Variante. Ansonsten sind vor allem Bücher mit vielfältigem Inhalt eine gute Wahl, wie z.B. ein Lexikon.

Spannend wird es dann natürlich auch bei der Interpretation. Manches scheint auf den ersten Blick überhaupt keinen Sinn zu ergeben oder sich nicht (wie gedacht) auf die Frage zu beziehen, aber: immer mit der Ruhe! Gerade beim Buchstechen macht man oft die Erfahrung, dass es eben doch Sinn ergibt. Man hatte bloß festen Erwartungen im Kopf und hat es daher anfangs gar nicht erkannt.

Arbeitet man gewissenhaft damit und lässt man sich auf das, was man gezogen hat, auch wirklich ein, ist das Buchstechen ein philosophisches, berührendes, manchmal erheiterndes und auf jeden Fall ein klassisches Orakel, das auch heute noch wunderbar genutzt werden kann.