Buchtipp: Hexenkunst

Bei neuen Büchern rund ums Hexentum bin ich immer interessiert und diesmal kam der Taschen Verlag auf mich zu, ob ich ein Rezensionsexemplar ihres neuen Buches „Hexenkunst“ haben möchte.

Der Taschen Verlag ist auf Bildbände spezialisiert und hat in seiner „Bibliothek der Esoterik“ bereits zur Astrologie und zum Tarot einen Band herausgebracht. Das Buch zum Tarot hatte ich hier auf YouTube besprochen.

Selene von Albert Aublet, 1880 – alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung des Verlags

(Nicht irritieren lassen: die Fotos sind aus der englischen Ausgabe, das Buch erscheint auf Deutsch).

Das Buch besteht aus fünf großen Abschnitten mit Essays zu den jeweiligen Themen:

1 Der Hexenweg als solcher in der Geschichte, in verschiedenen Kulturen und im Selbstverständnis der Menschen, die diesen Weg gehen

2 Die Hexe im Mythos, in Märchen, Geschichten und Erzählungen

3 Die praktischen Dinge (wie der magische Kreis, das Jahresrad, die Verbindung zum Mond)

4 Die verschiedenen Formen der Magie und die fünf Elemente

5 Hexentum und Kreativität – Hexen in der Mode, in der Popkultur und in der Kunst

Kay Nielsen, 1914 – William Rimmer, 1850

Die Essays und Texte sind vielschichtig, regen zum nachdenken an und bringen viele Facetten zum Ausdruck. Man kann immer noch etwas Neues entdecken oder Altbekanntes vertiefen. Auch wenn es ein klassisches Coffeetable-Buch ist (also dazu einlädt dekorativ auf dem Tisch zu liegen und immer mal zur Hand genommen zu werden), ist es nicht oberflächlich.

Kremena Chipliova, 2020 – Iwan Jakolewitsch Biblin, 1900

Mich persönlich freut die schiere Fülle an Bildern aus den unterschiedlichsten Epochen und Kulturen. Bis heute gibt es manche, die beim Thema Hexen nur einen kleinen Ausschnitt der Oberfläche kennen und meinen: Das gibt es nicht. Da spinnen sich ein paar Frauen etwas an.

Das Buch zeigt ganze die Fülle und Pracht des Themas, mit dem sich Generationen von Künstlerinnen und Künstlern befasst und immer wieder neue Blickwinkel entdeckt haben. Von der Romantik bis zum Musikvideo, von alten Holzschnitten bis zur visionären Kunst mit ihren schillendern Bildern.

Aus dem Musikvideo „Brujas“ von Asli Baykal und Princess Nokia, 2017 – Leonor Fini, 1956 – Paul Delaroche, 1855

Bilder sagen manchmal mehr als viele Worte. Sie reflektieren Lebensumstände, Vorstellungen und natürlich auch Klischees.

Alte Darstellungen (Goya darf natürlich nicht fehlen…) sind oft stereotyp negativ. Lässt man die negative Wertung im Bild beiseite und schaut auf das, was da dargestellt ist, kann man viel lernen. Welche Gegenstände sind mit den Hexen verbunden, welche Tiere, welche natürlichen Gegebenheiten? Man kann die alten Bilder auf dieser Ebene wie einen Text lesen.

Hier ein Ziegenbock als Tier der Naturgöttinnen und -götter, da findet sich eine Spindel als Hinweis auf die Nornen und das Gewebe des Lebens. Familiare, wie Kröten, Eulen und Katzen, zeigen die Krafttiere der Hexen. Der Kessel der Verwandlung, der Besen. …und immer wieder der Flug der Seele als das zentrale Element im Hexentum.

Ich will nicht zu viel verraten, man soll ja etwas zum selbst entdecken haben, aber ich kann euch das Buch wärmstens empfehlen, es ist ein Augenschmaus.

… und zum Schluss noch ein bißchen Popkultur mit Robin Hardy´s „The Wickerman“, 1973 – Akira Kurosawa´s „Das Schloss im Spinnwebwald“, 1976 – und Barbara Steele in „Die Stunde, wenn Dracula kommt“, 1960