Danke und Gedanken

Noch kurz zum letzten Beitrag: Vielen Dank für eure Fragen und Themen für die kommende Zeit. Ich merke, dass es tiefer geht gerade. Wenn ich früher solche Umfragen gestartet habe, kamen viele praktische Fragen zur Magie und zum Kartenlegen. Mittlerweile geht es viel um das Seelenleben und die feineren spirituellen Verbindungen. Ihr könnt mir gerne weiter schreiben, ich sammele noch.

Ich denke das „Erwachsenwerden“ des Hexentums geht weiter. Manche werden schmunzeln, aber in meinen Anfängen haben einige die Nase gerümpft, wenn du keinen Hintergrund im britischen Wicca hattest, sondern „nur“ in einem Feld-Wald-und-Wiesen-Coven aktiv warst.

Mittlerweile hat sich der Alltag so beschleunigt, dass für die meisten regelmäßige Covenarbeit zu den Vollmonden in weiter Ferne liegt.

Man steckt in der Ausbildung, im Studium (beides kommt mir heute viel verdichteter und anstrengender vor, als zu meiner Zeit). Dann das Berufsleben, vielleicht noch ein Familienleben obendrauf. Da kann man schon froh sein, wenn man zu Vollmond überhaupt Zeit hat – und die Kinder rechtzeitig einschlafen, bevor man selbst hundemüde ist.

Und das ist gut so. Das ist das echte Leben. Egal ob mit oder ohne Nachwuchs, das ist hier nicht der Punkt. Wer braucht einen spirituellen Weg, der gar nicht ins echtes Leben passt?

Früher war das Hexentum manchmal sehr elitär. Was denn, du hast keinen Wald, in dem du um´s Feuer tanzen kannst? (In Zeiten des Klimawandels ohnehin nicht mehr empfehlenswert.) Wie, du hast keinen Babysitter finden können und kannst heute Abend nicht? Kein Geld für teure Kelche und Athame?

Da merkt man, dass die Ursprünge des Wicca neben Künstlern und Freigeistern von wohlhabenden Menschen ausgingen (Gardner zum Beispiel), die aus einer Schicht kamen, in der man traditionell wenige Verpflichtungen und viele Möglichkeiten hatte.

Die erste Wicca-Generation bestand größtenteils aus Menschen ohne Kindern, so dass diese mögliche Lebensrealität erst später, vor allem von Autorinnen und Autoren aus den USA, näher beleuchtet wurde. Spätestens mit Scott Cunningham wurde der traditionelle Wicca-Dünkel liebevoll durchgelüftet (nicht alle waren so, das ist klar – aber einige eben schon).

Es folgte so langsam der Weg an den Rand des Mainstreams, mit allem Guten und Schlechten, das damit einhergeht. Bevor gleich wieder über das Schlechte geschimpft wird: Es hat auch viel Gutes. In meinen Anfängen als Kartenlegerin, wurde ich manchmal ernsthaft gefragt, ob Tarotkarten etwas mit Satanismus zu tun hätten.

Die Leute hatten Sorge, etwas Schlimmes zu tun, wenn sie mit den Karten ihre Möglichkeiten ausgelotet haben. Damals haben Boulevardblätter genüßlich angebliche schwarze Messen mit verwackelten Fotos ausgeschlachtet (und oft genug erfunden). Da finde ich ein bißchen Kommerz und Eso-Blabla verschmerzbar, in diese Zeit möchte ich nicht zurück.

Viele haben erst durch die Annäherung an den Mainstream überhaupt vom Hexentum erfahren. Ich werde nie diese eine Frau Mitte 60 vergessen, die mir erzählt hat, wie sie in einem ganz normalen Buchladen über ein Hexenbuch gestolpert ist und plötzlich wußte: Das ist es! Jetzt weiß ich, warum ich mein ganzes Leben lang irgendwie „anders“ war. Ihre Freude darüber, dass ihr Anderssein ein richtiger spiritueller Weg ist, war mit Händen zu greifen.

Nachdem heute ganz normale Menschen mit Heilsteinen, Amuletten, Kerzen oder zum Beispiel Räucherungen arbeiten, geht der Blick des Hexentums nach innen. Manchmal denke ich: Hey, vergesst die guten, alten handfesten Sachen nicht! 😉 Aber das Bedürfnis kommt natürlich nicht von ungefähr. Es braucht Wurzeln, die Verbindung zur Natur, das wirkliche Spüren, dass man Teil des Großen ist.

Und diese Entwicklung wird immer weitergehen. Wir sind einen weiten Weg gekommen, von den weisen Frauen im Dorf, über die Wicca der ersten Stunde mit ihrem zeremonialmagischen Hintergrund und immer so weiter durch die Jahrzehnte.

Ganze Gebirge von Vorurteilen wurden abgebaut (und werden es immer noch) und man kann gespannt sein, was die Zukunft bringt. Langweilig wird es sicher nicht, denn freie spirituelle Wege hinterfragen, ordnen ein, reflektieren und erneuern sich dadurch immer wieder.