Die Zeit um Samhain

Wer sich eine Weile mit den subtilen Unterströmungen des Lebens befasst, wird festgestellt haben, dass manchmal bereits Samhain den Ton für das kommende Jahr setzt.

Jeder macht seine Erfahrungen und es ist wichtig dem Gespür zu vertrauen. Für manche sind die Rauhnächte dieser magische Zeitraum, manche fühlen es in einem Jahr so, im anderen so. Jeder von uns sitzt an einer anderen Stelle im großen kosmischen Geflecht, kein Leben verläuft identisch. Deshalb ist es sehr sinnvoll auf die Stimme der Intuition und des Instinkts zu vertrauen.

Da in beiden Zeiträumen die Tore zwischen den Welten geöffnet sind, werde ich beide aus astrologischer Sicht beleuchten. Der Artikel zu den Rauhnächte folgt Ende November. Du lernst die kosmischen »Farben« dieser Zeiträume kennen und kannst deine spirituellen und magischen Aktivitäten darauf abstimmen.

Jahreskreisfeste verlaufen wie Wellen, die Energie nimmt zu, erreicht einen Höhepunkt und verebbt dann langsam wieder. Daher nehmen wir an dieser Stelle nicht nur den 31.Oktober selbst unter die Lupe, sondern auch die zwei Tage davor und danach.

Noch eine kurze astrologische Vorbemerkung, bevor wir durchstarten. Aus den vorhergehenden Artikeln kennt ihr bereits größere Zeiträume, in denen Verbindungen zwischen Planeten wirksam sein können. Für Samhain nehmen wir einen relativ kurzen Zeitraum unter die Lupe. Daher interessieren uns besonders jene Aspekte, die in dieser Zeit exakt sind, also maximale Wirkung entfalten.

Naturgemäß haben wir es so mit vielen Mondaspekten zu tun. Als flotter Flitzer hat er die meisten Verbindungen zu den anderen Planeten. Das passt auch sehr gut zu Samhain, der Mond steht in der Astrologie u.a. für die Familie, da sind Ahnenthemen nicht mehr weit.

Die Ahnen kann man neben dem Mond auch dem Saturn zurechnen – passenderweise spannen beide einen Entwicklungsbogen mit Spannungen am 30. Oktober bis zur Auflösung dieser Herausforderungen am 2. November. Dazu ein (blauer) Vollmond direkt an Samhain und manches mehr… Es wird in diesem Jahr ein ausgesprochen kraftvolles Fest.

29. Oktober

Abends verbindet sich der gefühlvolle Mond mit dem Powerplaneten Mars. Da ist mitunter Spannung drin, es kommt darauf an, wofür wir sie nutzen. Negativ ausgelebt gibt man Kraft in familiäre Konflikte, ohne an einer Lösung zu arbeiten. Positiv genutzt kann man (endlich) die Kraft finden Emotionen auszudrücken und dadurch den Weg für Lösungen freimachen.

Der ideale Tag für eine rituelle Eröffnung des Samhain-Zeitraums. Mars gibt die nötige Kraft (ok, möglicherweise öffnet er wie ein Rammbock die Tür – wobei das ganz passend ist für alles, was noch kommt). Der Mond sorgt für die Gefühle. Mit einer klaren Intention kann man heute gut in die Zeit »zwischen den Schleiern« starten.

30. Oktober

Heute ist ein angespannter Tag. Wie das immer so ist: Neutral betrachtet ist Spannung eine Form von Kraft. Es braucht nur das nötige Geschick, sie in die richtigen Wege zu leiten, dann können spannungsreiche Aspekte Entwicklungen wie im Zeitraffer vorantreiben, die bei friedlichen Aspekten sanft vor sich hin dümpeln würden.

Nutze diesen Tag, wenn du tiefgreifend mit schwierigen Familien- und Ahnenthemen arbeiten willst. Es geht ans Eingemachte, man sollte also die nötigen Kraftreserven mitbringen. Wenn sie gerade nicht gegeben sind oder deine Samhain-Bedürfnisse in diesem Jahr eine sanftere Natur haben, lies den Abschnitt zum 1. November, dieser Tag dürfte dir dann mehr entgegenkommen.

Morgens verbindet sich der Mond mit dem düsteren Pluto im spannungsreichen Quadrat. Es geht um Machtthemen in der Familie, die sich oft in einer langen Linie bis zu den Ahnen durchziehen. Fragen der Kontrolle und der Vorherrschaft stehen im Raum. Bei Pluto sollte man auch an die unsichtbaren Dinge denken, die zwischen den Zeilen stattfinden. Dieser Aspekt kann am 1. November erste Früchte tragen, wenn man diese Themen bearbeitet.

Am Nachmittag heißt es doppelt einfühlsam sein. Saturn, der strenge, knorrige Prüfer, geht ins Quadrat zum Mond. Er klopft ab, wo es Probleme aufgrund starrer Strukturen gibt, wo man in gefühlter oder tatsächlicher Enge lebt und was man dagegen unternehmen kann. Wo brauche ich mehr »Luft«?, ist die Frage, die im Raum steht.

Stelle deine Fragen jetzt, die Auflösung kommt möglicherweise bereits bis zum 2. November, wenn der Mond ins Trigon zu Saturn weiter gewandert ist und einem das sprichwörtliche Licht aufgeht.

Merkur und Mond gehen am selben Nachmittag in die Opposition. Dieser Aspekt bewirkt oft, dass man zwischen den Planeten hin und her switcht. Schnelle Lösungen mit dem (eher oberflächlichen) Merkur? Innere Gefühlsarbeit (eher langsam) mit dem intuitiven Mond? Möglicherweise reißt es dich heute hin und her und entlädt sich in (inneren) Diskussionen oder unachtsamer Kommunikation.

In russischen Zaubermärchen gibt es einen Spruch, den ich persönlich auf solche Situationen anwende: Sorge dich heute nicht mehr, der Morgen ist klüger als der Abend. Das lässt sich hier problemlos schon auf den Nachmittag übertragen. Diskutiere nicht mit dir selbst oder anderen, mach einfach etwas Schönes zu Entspannung und lass die Wolken vorüberziehen.

31. Oktober

Heute ist Samhain und was für eins!

Nachmittags geht die Sonne in Opposition zum Mond – landläufig ist das unter der Bezeichnung Vollmond bekannt. ;) Aber nicht nur das, es ist auch noch ein blauer Mond, so nennt man den zweiten Vollmond, der im selben Monat liegt, was selten ist und eine besondere spirituelle Kraft hat.

Der Vollmond steht im kraftvollen Widder (siderisch berechnet, also das tatsächliche Tierkreiszeichen). Wie oben erwähnt ist er unser kosmischer Rammbock, der auch fest verschlossene Türen öffnen kann. Entsprechend steht die Sonne als gegenüberliegende Kraft in der Waage und gibt eine harmonische, feinsinnige und ausgewogene Energie dazu. Das ist mal eine Opposition, die gut funktioniert. Der Widder ist Marskraft pur, die sanfte Waage wird von der Venus regiert, das kosmische Liebespaar schaut sich direkt in die Augen.

Bevor jetzt alle die roten Kerzen rausholen, um an Liebeszaubern zu arbeiten: Das war leider noch nicht alles, bitte erst den nächsten Abschnitt lesen und dann entscheiden, ob ihr heute wirklich an Liebeszaubern arbeiten wollt. Sie hätten Kraft, so viel ist gewiss und die Ahnen helfen uns ohnehin gerne bei diesem Thema, aber da betritt noch jemand mit einem großen »Bäm!« die Bühne…

… na klar, es ist Revoluzzer Uranus! Er hat eine Konjunktion zum Mond, die beiden stehen also direkt zusammen – und damit in Opposition zur Sonne. Da staunt die sanfte Waage-Sonne nicht schlecht, ihr kraftstrotzender Widder-Mond schiebt mit diesem schrägen Gesellen ab und träumt von Revolution und Umbrüchen, mindestens aber einer exzentrischen Party mit ungewöhnlichen (wenn auch fortschrittlichen) Attraktionen.

Wie kriegen wir das eingefangen? Ganz einfach: Gar nicht. Samhain ist ohnehin ein Kraftpaket von einem Feiertag, aber in diesem Jahr zündet es den Turbo. Wie wenn sie bei »The Fast and the Furious« das Lachgas zuschalten – jetzt mal so für die männlichen Leser.

Arbeite heute magisch, wenn du starke Umbrüche und Durchbrüche erreichen willst. Dieser Tag hat alles, was es dafür brauchst. Das ist kein kosmischer Rückenwind, das ist ein Orkan. Alles, wofür du mit dem Kopf durch die Wand musst, bekommt heute den richtigen Impuls.

Wenn dir das zu heftig ist, atme durch, mache einfach schöne Zeremonien für die Ahnen und feiere morgen den Hauptteil deines Samhains.

1. November

Am 29. Oktober hatten wir über eine kraftvolle Eröffnung dieser Zeit geredet, der 30. Oktober war ein Tag der Spannungen, Samhain selbst ist ein Feuerwerk aus Energie und wilder Kraft. Möglicherweise wünschst du dir für dein Samhain eher eine mystische Zeit der Einkehr und der tiefen Erkenntnisse. Dann ist heute dein Tag.

Am Mittag tritt der Mond in ein freundliches Sextil zum feinfühligen Neptun. Jetzt ist eine wunderbare Zeit für Orakel, Weissagungen und intuitive Künste aller Art. Du kannst dich auch einfach treiben lassen, verzaubernde Momente genießen und vor dich hin träumen. Schamanische Trancearbeit ist jetzt besonders begünstigt, genau wie direkte Ahnenkontakte.

Sanft und zauberhaft ist diese Zeit. Versuche sie dir frei zu halten, selbst ein einfacher Spaziergang kann jetzt zu tiefen inneren Erkenntnissen führen.

Nachmittags tritt der Mond ins »warme« Trigon zu Jupiter. Großzügigkeit ist das Thema, Werte, Wünsche, das Gefühl fei atmen zu können und die Weite des Lebens zu spüren. Wenn du Wünsche an deine Ahnen richten möchtest und um Unterstützung für deine Ziele bitten möchtest, ist das ein wunderbarer Zeitpunkt.

Erinnert ihr euch noch an den 30. Oktober, Pluto im spannungsreichen Quadrat zum Mond? Heute können die Lösungen dafür sichtbar werden. Der Mond zieht abends ins sanfte, aber starke Trigon zu Pluto. Spannungen können gelockert werden, tiefe Einsichten in Familien-Muster werden möglich. Wer die Wurzeln kennt, kann an den Lösungen arbeiten. Diese Konstellation verleiht viel Kraft und Belastbarkeit – mehr als angenehm nach dem dynamischen (oder sollte ich sagen Dynamit?) Vollmond gestern.

Später am Abend findet sich ausnahmsweise kein Mond-Aspekt, dann treffen Merkur und Saturn im Quadrat zusammen. Der flotte Merkur hat tausend schöne Ideen, doch Saturn pocht mit seinen mageren Knöcheln auf den Tisch und sagt: Prüfe das zuerst, mein Junge!

Das kann frustrieren, ist aber eigentlich eine gute Sache. Merkur ist flott, der schießt auch mal über´s Ziel hinaus. Die beiden werden sicher keine Freunde, aber das Ergebnis ihrer mürrischen »Zusammenarbeit« kann sich sehen lassen: geprüfte Informationen und solide Ideen. Eine gute Zeit für Orakel, wenn man bereit ist den Tatsachen ins Auge zu sehen.

2. November

So langsam gleiten wir aus dem Samhain-Energiestrom heraus, die Nebel lichten sich, die Türen schließen sich wieder. Passend dazu hat dieser Tag nur einen exakten Aspekt, der Mond verbindet sich am frühen Morgen mit Saturn zum harmonischen Trigon.

Das ist ein würdiger Abschluss für diese teils herausfordernde, teils turbulente, aber auch sehr mystische Zeit.

In dieser Konstellation arbeiten Mond und Saturn zusammen, sie bringen eine neu gewonnene Stabilität und solide Verhältnisse mit sich. Vieles wurde geklärt, neu sortiert (Saturn mit seiner großen Liebe zur Ordnung…, er kann wirklich zufrieden sein). Die Dinge finden an ihren Platz oder man kennt zumindest die Ziele, die man ansteuern möchte.

Was zu Samhain spirituell und magisch bearbeitet wurde, kann nun in den Alltag gleiten und unter den wachsamen Augen des Planeten-Großväterchens klug ins praktische Leben integriert werden.

Ich wünsche euch allen ein wunderbares Samhain!

Der nächste Artikel erscheint am 27. November und befasst sich mit der astrologischen Energie der kommenden Rauhnächte.