Herbstblond

Nach meinem letzten Video auf YouTube gab´s ein paar Anmerkungen rund um die Haarfarbe. Ich sage dazu scherzhaft: Ich channele jetzt meinen inneren Gandalf.

Aber Spaß beiseite, für viele Frauen (mich inbegriffen) ist das ein großer Schritt. Wie viele andere habe auch ich in den Lockdowns angefangen darüber nachzudenken, der Natur ihren freien Lauf zu lassen.

Früher, als ich es noch nicht „musste“, habe ich mir gerne die Haare gefärbt. Natürliche Pflanzenhaarfarben haben in meinen Lieblingsfarben ein Level erreicht, bei dem man sie gleichwertig zur Chemie verwenden kann, so dass man sich um die Gesundheit keine Sorgen machen musste.

Aber es verändert sich etwas, wenn man seine Haare als „Pflicht“ färbt, um etwas von sich zu verstecken. Dabei ist mir jede Freude daran abhanden gekommen.

Ich habe eine Weile überlegt, im englischsprachigen Bereich finden sich großartige Bücher für Frauen, die darüber nachdenken. Mit Abstand am besten gefiel mir der „Going Gray Beauty Guide“ von Jan Rogers, die 50 Frauen vorstellt und ihre individuellen Geschichten im Übergang zum Silberhaar erzählt.

Sie hat diese „typisch amerikanische“ Energie, aber in dem Fall ist es genau das, was man braucht, um über den Schatten zu springen. Dazu viele praktische Tipps, zum Beispiel in Sachen Farben (kurz gesagt: wird das Haar heller, sollten die Farben, die man trägt, intensiver werden, damit man nicht zur grauen Maus wird).

Unter „going gray“ findet man im Web viele Geschichten, Bilder, Anregungen und natürlich auch Ermutigung, da sind sie anderswo schon weiter als bei uns.

Ich habe lange nichts mehr gemacht, was mich so befreit hat. Jetzt fühle ich mich wieder wohl, als hätte man eine nervige Geheimniskrämerei endlich hinter sich gebracht.

Das ist auch der Kern der Sache. Es geht nicht darum, dass jetzt alle Frauen grau werden sollen. Wem die Farbe Freude macht, dem macht sie Freude. Aber wenn es nur noch eine lästige Angelegenheit ist, weil man es eben „muss“, weil man Angst hat sonst „alt“ auszusehen usw., sollte man es ruhig mal auf den Prüfstand stellen.

Ich habe vor einem Jahr angefangen, den „dunklen Helm“ aus Farbe herauswachsen zu lassen. Man braucht ein bißchen Geduld, aber die braucht man nur einmal, danach nie wieder. Meine Mutter hat es damals um die 50 gemacht, aber ich wollte keine zehn Jahre mehr meine Zeit und mein Geld für Versteckspiele verschwenden. Dass ich keine 20 bin, sieht man sowieso und das ist gut so.

Wie viel Charisma hätte Gandalf wohl mit gefärbten Haaren gehabt? Und hätten wir ihm wirklich abgenommen, dass er jünger ist? Na also! 😉