Magisches im Web zeigen

Das Internet und besonders die sozialen Netzwerke leben von dem, was wir herzuzeigen haben. Wir füllen sie bienenfleißig mit dem, was uns wichtig ist, was wir darstellen wollen, was wir gesehen wissen möchten.

Für viele spirituelle und magische Praktiker beinhaltet das auch Fotos oder Videos von Zeremonien, Ritualen, Meditationen, Kartenlegungen und manchem mehr.

Das ist etwas, das mich immer überrascht hat. In anderen Kulturen (und auch bei uns) war und ist es üblich, magische Dinge zumindest in großen Teilen verborgen zu halten. Das geht bis in die klassische Magie hinein mit dem altbekannten Spruch: Wissen, wagen, wollen, schweigen. In der Volksmagie ging es ohnehin oft geheimniskrämerisch zu, aus gutem Grund, dazu kommen wir gleich noch.

Wir sind manchmal schnell dabei, so etwas als altmodisch und rückständig zu betrachten, aber nicht alles, was alt ist, ist veraltet. Die Menschen damals haben zuerst über die Energie(n) als solche nachgedacht, über ihre Ziele und die beteiligten Kräfte. Sie hatten auch nicht das Bedürfnis, alles herzuzeigen, um Bestätigung zu bekommen. Sie wußten auch so… Das war (und ist) eine Sache zwischen den guten Geistern und den magischen PraktikerInnen, da gibt es nicht wirklich Bedarf für Zuschauer.

Warum also die Geheimniskrämerei? Es ist ein einfaches magisches Gesetz: Jeder, der von einem Zauber weiß, kann sich gedanklich in ihn einklinken. Das muss nichtmal in böser Absicht passieren, es reicht schon das ständige Berührtwerden des Zaubers durch die Gedanken anderer, damit es ihn aus der ursprünglichen Umlaufbahn trägt.

Manche legen das sehr streng aus, sie würden – wie in alten Zeiten und in traditionellen Kulturen bis heute – niemals einen Zauber öffentlich teilen und ihn in den meisten Fällen noch nicht einmal fotografieren (auch das Fotografieren als solches trägt Energie heraus, lässt das Ritual nicht mehr „ungeteilt“; auf einmal ist es an mehreren Stellen – das alte magische Gesetz: auch das Abbild trägt die Energie dessen, was es zeigt, sonst gäbe es keine Bildniszauber).

Manche sehen es pragmatisch und zeigen nur Bilder von Dingen, die schon länger her sind. Natürlich teilt nicht jeder diese Ansicht. Zeit ist im magischen Kontext relativ, in gewisser Weise ist alles jetzt und damit auch für andere erreichbar, wenn es gezeigt wird.

All das sind Themen, über die es nachzudenken lohnt. Ich werde im Weiße Magie Kurs manchmal gefragt, wie ich das sehe und ihr kennt mich: ich bin nicht dogmatisch, ich schaue was ist.

Was in diesem Fall bedeutet: magische Gegenstände, Rituale, Zeremonien, kleine Zauberarbeiten usw. haben ihren eigenen Geist, ihren Spirit – wie auch immer man das nennen möchte. Anders gesagt sind wir nicht die Einzigen, die diese Frage betrifft. Oft genug vergessen spirituelle Praktiker (ausgerechnet…, aber leider wahr) ihr Gegenüber, die geistige Welt.

Das bedeutet in der Praxis: wenn man das Bedürfnis hat etwas zu teilen, befragt man den magischen Gegenstand, das Ritual (bzw. dessen Schutzgeist) usw., ob sie fotografiert werden dürfen und ob sie gezeigt werden möchten. … und hört auf die Antwort! Die gute Energie (sozusagen der gute Geist einer Sache) kann flüchten, wenn sie sich nicht wohlfühlt. Die Spirits haben ihren eigenen Kopf. Wer Höflichkeit und Respekt vergisst, steht schnell im Regen.

Ich würde also mindestens um Erlaubnis fragen und auf keinen Fall einfach Dinge fotografieren und ins Netz stellen, so dass ihr guter Geist verstimmt wird oder andere sich gedanklich dranhängen, mit ungewissem Ausgang.

Das ist keine dogmatische Sache. Manchmal werden Rituale (z.B. für Frieden) sogar darum bitten, gezeigt zu werden, damit sich ihre Energie heilsam vervielfältigen kann durch jeden, der sie sieht. Es gibt aus meiner Sicht keinen pauschalen Weg, jede Situation ist anders und mit ein bißchen Fingerspitzengefühl findet man schnell heraus, was angemessen ist.