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30. Januar 2026
🫖 FreitagsTee
Hier darf alles Platz nehmen: Das Schöne, das Schwierige und alles dazwischen.
Manchmal lasse ich mich bewusst durchs Netz treiben und oft finde ich dabei Antworten auf Fragen, von denen ich noch gar nicht wußte, dass ich sie habe.
Manchmal sind es auch kleine Winke oder dass man plötzlich etwas in Worte fassen kann, das vorher schwer zu greifen war.
Vor einer Weile entdeckte ich, dass die Philosophie, mit der ich in meinen Kartenkursen unterrichte, in Japan einen konkreten Namen hat, sie heißt SHU HA RI oder anders gesagt: bewahre, brich, löse.
Das war verblüffend, weil ich es exakt so angehe - und dann liest man durch Zufall, dass es anderswo einen richtigen Namen hat. Ich habe mal ein bißchen tiefer recherchiert...
Das Prinzip dahinter wurde an einigen Stellen mit der Entwicklung eines Schmetterlings verglichen, weshalb ich dieses Bild beibehalte.
Kurz gesagt geht es um drei Stufen des Lernens. Nicht nur auf das Kartenlegen bezogen, man kann dieses Prinzip in jedem Lebensbereich anwenden.
Gehen wir es mal durch:
Stufe 1: SHU Bewahren
Wenn wir eine traditionelle Kunst erlernen – sei es in meinem Beispiel das Kartenlegen, aber z.B. auch eine Kampfkunst, eine spirituelle Praxis oder wie man ein gutes Brot backt – treten wir in eine Linie ein, die über Generationen weitergegeben wurde.
Wir lernen dabei in irgendeiner Form von einem Sensei (Lehrer:in - kurz gesagt: eine Person, die eine Kunst in Theorie und Praxis gemeistert hat) und folgen zunächst den Formen, Regeln und Ritualen, die uns anvertraut werden.
In dieser Phase geht es nicht um Kreativität, sondern um Hingabe.
Die alten Römer sagten, dass Wiederholung die Mutter des Lernens ist und da hatten sie definitiv Recht.
Diese Phase braucht eine Portion Demut.
Wer schonmal einen verkohlten, flachen Ziegel aus dem Ofen gezogen hat, weiß das. Wer schonmal ratlos vor den Karte saß, weiß es ebenfalls. Wer zwischen tausend rasenden Gedanken meditiert hat… - ich denke das Prinzip wird klar.
Wer jetzt nicht auf große Ergebnisse schielt und dadurch vorschnell das Handtuch wirft, entdeckt: Je mehr Hingabe ich auf die gelehrte Form verwende, desto mehr Kraft gewinnt sie.
In diesem Stadium wird man zur Raupe, die geduldig ihren Weg geht, ohne zu eilen und ohne zu fliegen. Eine Raupe kann beides noch nicht, sie „futtert“ sich erst einmal genügend Wissen an.
Stufe 2: HA – Brechen
Irgendwann wird klar, dass die Grundlagen sitzen. Die Form ist verinnerlicht. Genau dann beginnt etwas Neues: Wir dürfen – und sollen – die erlernte Form hinterfragen.
HA bedeutet nicht „zerbrechen“, sondern „aufbrechen“.
Es ist der Moment, in dem wir das Gelernte auseinandernehmen, neu zusammensetzen, erweitern, anpassen. Wir beginnen, unseren eigenen Stil zu entwickeln.
Viele Menschen erleben diese Phase als herausfordernd, es ist eine Zeit, in der man „auf wackligen Beinen läuft“.
Wobei es auch Spaß machen kann, so ist das nicht. Mal ein bißchen Joghurt oder Quark unter den Brotteig mischen und schauen, was passiert. Ein eigenes Legemuster entwickeln und ausprobieren, ob es sich bewährt.
Das Aufbrechen alter Formen bedeutet, das Thema neu zu denken und es sich auf einer tieferen Ebene zueigen zu machen.
Bleiben wir im Bild des Schmetterlings ist es die Zeit des Kokons – manchmal eine Wundertüte, aber immer voller Möglichkeiten.
Stufe 3: RI – Loslassen
RI ist die Phase, in der wir nicht mehr nur die Technik beherrschen, sondern mit ihr verschmelzen.
Einen Karatemeister kann man nachts um 2 Uhr wecken und er kann sich aus dem Stand verteidigen.
Mich könnte man nachts um 2 Uhr nach einer Kartenlegung fragen und… - OK, lassen wir das, um diese Uhrzeit garantiere ich für nichts. 😅
Das lässt sich mit Omas Essen vergleichen, falls sie der Typ fürs kochen ist. Wenn eine Oma kocht… da gibt es etwas, das man nicht „machen“ oder aus Büchern lernen kann. Das nur aus Jahrzehnten Erfahrung mit der Materie entsteht. Diese Omas sind Senseis (Meisterinnen) des Essens.
In diesem Stadium ist es zu einem Teil von einem geworden. Man kann es aus dem Handgelenk schütteln.
Dieser Weg ist übrigens kein Weg zur Perfektion, er ist ein Kreis.
Wir im Westen denken gerne in Linien, aber das asiatische Denken ist rund.
Selbst in dieser Phase der Entwicklung kehren wir immer wieder zum Anfang zurück. Wir üben die Grundlagen, wir erinnern uns an die Essenz.
Vielleicht sieht man ein spannendes neues Rezept, entdeckt in einem alten Buch eine unbekannte Karten-Technik oder bekommt als Tarot-Lehrerin von Kursteilnehmern eine Frage gestellt, die einen die Dinge nochmal neu betrachten lässt.
Es wird nie langweilig.
Und: Der Karatemeister übt weiterhin seine Formen. Oma schält weiterhin Kartoffeln.
Niemand ist sich zu fein dafür, weil er "ja schon fortgeschritten" ist. Da sind wir direkt wieder bei der Demut aus Schritt 1.
Ich habe die Küchen-Beispiele im Text übrigens nicht ohne Grund eingestreut: Es geht bei diesem Prinzip nicht nur um gewichtige oder „heilige“ Dinge.
Alles im Leben kann meisterlich gemacht werden. Nichts ist zu klein oder unbedeutend.
Andere haben einem nicht reinzureden, jede:r von uns hat eigene Maßstäbe, Wünsche und Ziele.
Wir alle sind mal die Raupe, mal im Kokon und mal der Schmetterling.
Es ist nur wichtig, sich bewusst zu machen, in welchem Stadium man gerade steckt. So vermeidet man unnötigen Frust und geht realistisch an die Dinge heran.
23. Januar 2026
🫖 FreitagsTee
Hier darf alles Platz nehmen: Das Schöne, das Schwierige und alles dazwischen.
Diese Woche war viel los und der Text für den FreitagsTee, den ich plane, braucht noch ein bißchen Feinschliff.
Also gibt es heute ein Zitat aus einer Romanreihe, die ich gerade lese.
Große Worte, wie es sich für eine mythische Geschichte gehört, aber ich denke sie klingen auf vielen Ebenen an, wenn man etwas tiefer geht:
The one standing in infinite glory is you; the one fallen from grace is also you. What matters is ‘you’ and not the state of you.
Auf deutsch:
Derjenige, der in unendlicher Herrlichkeit steht, bist du; derjenige, der in Ungnade gefallen ist, bist ebenfalls du. Entscheidend bist „du“ und nicht der Zustand, in dem du dich befindest.
Worte, die man eine ganze Weile im Herzen bewegen kann, ohne dass es langweilig wird.
Aus welcher Romanreihe das stammt? Wer Lust hat, kann es gern herausfinden – das Zitat ist ein ziemlich guter Wegweiser. 🤍❤️
16. Januar 2026
🫖 FreitagsTee
Hier darf alles Platz nehmen: Das Schöne, das Schwierige und alles dazwischen.
Manchmal brauchen die Dinge einfach nur… Zeit.
So wie bei meinem Hibiskus auf diesem zugegebenermaßen nicht sehr instagramablen Foto.
Seit Jahren wuchs er immer höher und buschiger und bekam immer mal einen größeren Topf. Hin und wieder hatte er wunderschöne Blüten.
Doch seit dem späten Herbst verlor er massiv Blätter. Ich habe alles unter die Lupe genommen (wortwörtlich), aber da waren keine Schädlinge. Trotzdem habe ich ihn mit Neemöl und Kräutersud behandelt. Doch nichts wurde besser.
Sein Platz hatte sich nicht verändert, mit Wasser und Dünger war auch alles in Ordnung. Ich habe einfach keine Ursache gefunden, warum ein Blatt nach dem nächsten zu Boden ging.
Mittlerweile kommentierte die ganze Familie besorgt seinen Zustand. Pflanzen sind ja auch eine Form von Mitbewohnern.
Im Dezember dachte ich dann: Na gut, das wird nichts mehr. Nachdem wir so viele Jahre Freude an ihm hatten, darf er in Ruhe von uns gehen.
Ich hab’s nicht übers Herz gebracht, ihn bei klirrenden Temperaturen auf den Kompost zu bringen. So lange noch ein Blättchen dran ist, bleibt er.
Aber wie geht der Spruch: Totgesagte leben länger!
Auf einmal erschienen überall kleine neue Blättchen. Vielleicht nur Stresstriebe? Nein, sie wachsen weiter. Oh!
Mittlerweile kommen sie an immer mehr Stellen, er scheint neuen Lebensmut gefasst zu haben und wieder zu alter Schönheit zurückkehren zu wollen.
Ich sehe darin auch ein kleines Zeichen. Oft ist es gut, nicht vorschnell zu handeln, den Dingen ihre Zeit zu lassen und abzuwarten, was tatsächlich passiert (ihm Gegensatz zu dem, was man vermutet).
Manchmal ist eine Geschichte noch lange nicht zu Ende, sie braucht nur ein bißchen Geduld. Wenn alle Seiten ihre Hausaufgaben machen, kommt irgendwoher aus dem großen Geflecht des Lebens ein Impuls, mit dem es weitergeht.
Manchmal werden wir nie so ganz verstehen, wie es eigentlich zur Krise kam und auch nicht, wie wir anschließend wieder herausgekommen sind.
Wir haben einfach ergebnisoffen weitergemacht. Das ist ziemlich oft eine gute Herangehensweise.
9. Januar 2026
🫖 FreitagsTee
Hier darf alles Platz nehmen: Das Schöne, das Schwierige und alles dazwischen.
Erst einmal danke für die vielen Rückmeldungen zum letzten Newsletter, anscheinend hatten wir 2025 ziemlich ähnliche Themen 😅
An dieser Stelle noch einmal ein gesundes neues Jahr und einen guten Start in 2026 an alle! 🍀🍄
Nachdem sich zum Jahresende viele dazu geäußert haben, was 2025 für sie bedeutsam war, sind jetzt folgerichtig die Neujahrsvorsätze dran.
Hm, was habe ich aus 2025 mitgenommen?
Spontan fällt mir da der Satz einer Klientin ein:
Nicht mein Affe, nicht mein Zirkus.
Den fand ich stark und habe ihn umgehend ins vorderste Regal im Hinterkopf gesetzt.
Wenn gesunde Grenzen ein Thema sind (und bei wem sind sie das nicht), ist dieser Satz nicht nur witzig, sondern auch sehr heilsam.
Das mit den Vorsätzen ist vielleicht auch eine Frage des Alters. Ich bin jetzt Mitte 40, da weiß man im Großen und Ganzen, wer man ist und was zu einem gehört. Was Überraschungen nicht ausschließt - zum Glück!
Für mich ist Qi Gong seit vielen Jahren der Weg, ich muss also nicht jedes Jahr etwas Neues suchen.
Als Selbständige mit Familie habe ich ein sehr überschaubares Zeitbudget, daher werden es meist nur um die 10 Minuten, aber die fast jeden Tag.
Das summiert sich auf etwa 60 Stunden im Jahr - nicht schlecht, oder?
Es sind die Kleinigkeiten im Leben, die den Unterschied machen.
Ich übe nichts Kompliziertes, denn seien wir ehrlich, bei anspruchsvollen Hirsch-Formen ist die Gefahr sich zu verknoten nicht nur theoretisch gegeben... *g*
Das Gute ist: Im Qi Gong wird Ehrgeiz als eine Form von Blockade betrachtet. Verbissenes Üben ist der sicherste Weg, den freien Fluss der Energie abzuwürgen.
Die alten Meister:innen sagten: Mach deine Übung nur zu 80% gut. Die aufgewendete Mühe für die restlichen 20% würde dazu führen, dass man zu angespannt übt und damit den positiven Effekt zunichte macht.
Man muss dazusagen, dass Qi Gong dem Energie-Aufbau dient. Auspowern ist also grundsätzlich nicht vorgesehen. Man geht nicht müde, sondern mit einem spürbaren Plus an Energie aus den Übungen.
Ich kann beim Thema Vorsätze natürlich nur über die Dinge reden, die bei mir funktionieren, aber ich denke ein paar praktikable Ideen sind dabei:
Gestalte es so einfach, dass du es (fast) täglich machen kannst.
Mach es lieber etwas kleiner, aber dafür regelmäßig.
Denke an die kluge 80% Regel der alten Meister:innen - sie lässt sich auf viele Dinge im Leben übertragen.
Das Wichtigste: Schaue nicht auf das, was andere machen, sondern vergegenwärtige dir dein tatsächliches Ziel.
Um in meinem Beispiel zu bleiben: Es gibt unzählige Meister:innen, die komplizierte Qi Gong Formen mit der Eleganz fließender Seide ausführen - um es asiatisch-blumig auszudrücken. 🪷
Manche verwenden dabei sogar Fächer oder Schwerter. Das ist wunderschön, aber nicht mein Ziel.
Viele vergleichen sich mit Meister:innen auf ihrem Gebiet, obwohl sie das gar nicht werden wollen. Das erzeugt unnötigen Stress. Werde dir bewusst, was dein wahres Ziel ist.
Ich suche z.B. nur einen Ausgleich für den Alltag. Qi Gong ist ein Teil meiner Hausapotheke. Man kann damit neben allgemeiner Entspannung über die Meridiane auch an körperlichen Wehwehchen und emotionalen Themen arbeiten. Fast wie wie Akupunktur, nur in Form von Bewegungen.
Das sind meine beiden Ziele - und die erreiche ich auch mit einfachen Formen und wenig Zeit.
Ich bewundere natürlich die formvollendeten Könner:innen.
Ihr Ziel ist die hohe Kunst. Mein Ziel ist ein harmonischer Alltag.
Es ist wichtig, sich das klar zu machen.
Nehmen wir an dein Ziel ist es, fitter zu werden. Dafür musst du nicht wie eine Meisterin oder ein Meister im Fitnessbereich aussehen, die den ganzen Tag darauf verwenden.
Verwirkliche dein Ziel in deinem Lebensrahmen.
Sei realistisch und hab Spaß bei dem, was du machst. Wenn es keinen Spaß macht, such dir etwas anderes. Wenn man (vermeintlich) vorzeitig aufgibt bedeutet das sehr oft, dass die angestrebte Sache nicht wirklich zu einem gepasst hat.
Ich habe z.B. diverse Versuche mit Yoga unternommen, bin ich aber nie lange dabei geblieben.
Dann fand ich Qi Gong und musste mich plötzlich nicht mehr überreden. Das war eine erhellende Erfahrung, ich hatte zuvor die Vermutung, dass ich „nichts richtig durchziehe“ und „immer zu früh aufgebe“.
Aber plötzlich war da eine Wirkung, die ich ganz natürlich haben wollte. Ich musste mir nicht vom Kopf her einreden, dass es „gut für mich ist“.
So fühlt es sich also an, wenn etwas stimmig ist...
Das ist auch noch ein Gedanke: Es ist nicht wichtig, wie es aussieht oder auf andere wirkt. Entscheidend ist, was du tatsächlich fühlst.
Kurz gesagt: Wenn man sich motivieren muss, ist es oft noch nicht das Richtige. Wenigstens in unserer Freizeit sollten wir uns die Freiheit nehmen, wir selbst zu sein und authentisch zu handeln.
Das ist kein „zu frühes Aufgeben“, sondern Klugheit. Der Körper hat seine eigene tiefe Weisheit, die unbestechlich ist. Macht man verbissen das Falsche, bleibt umso länger verborgen, was stattdessen richtig gut gewesen wäre.

