Hexe Claire
 
 

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Bild von t Penguin aus Unsplash


13. Februar 2026

🫖 FreitagsTee

Hier darf alles Platz nehmen: Das Schöne, das Schwierige und alles dazwischen.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Nächste Woche mache ich, wie angekündigt, eine kleine Pause. Wir lesen uns also in zwei Wochen wieder. Lasst es euch gut gehen bis dahin!


Zuerst wollte ich lauter schlaue Dinge schreiben, aber wenn ich aus dem Fenster ins nass-graue Regenwetter schaue, kommt mir ein Spruch meiner Oma in den Sinn: Immer schlau ist auch dumm.

Sie war eine kluge Frau, mit 100 noch humorvoll und scharfsinnig.

Irgendwann kommt man in das Alter, in dem man Dinge nur noch mit einem Satz kommentiert - und der sitzt. Wobei ich glaube, dass sie schon damit geboren wurde. 😁


Wie dem auch sei, beim aktuellen Wetter denke ich eher an die gemütliche Couch, schöne Filme, Popcorn und eine große Tasse Tee.


Filme…

Mit Familie ändert sich das Programm natürlich ein wenig. Wie so viele Eltern bin ich nicht an K-Pop Demon Hunters vorbei gekommen und war ehrlich überrascht, der Film ist klasse! Er ist aktuell für einen Oscar nominiert, es würde mich nicht wundern, wenn er gewinnt. 

Eine tolle Story und die Optik ist natürlich umwerfend. Wir haben manchmal Taschentücher gebraucht, weil wir Tränen gelacht haben - ich sag nur: Popcorn-Augen. Aber er hat auch viele leise und nachdenkliche Zwischentöne, die sieht man in den Trailern nicht, aber sie sind die Basis der Geschichte.

… wer danach keinen leicht verpeilten Geister-Tiger haben will, dem kann ich auch nicht helfen. 😄


Mein all time favorite kommt auch aus Asien: Chihiros Reise ins Zauberland. Wenn ich nur noch einen Film gucken dürfte, wäre es dieser, auch wenn ich ihn mitsprechen kann. (Ein schönes Extra: Nina Hagen als Stimme von Hexe Yubaba in der deutschen Fassung - fulminant!).

Wie alle Studio Ghibli Filme hat er diese ganz besondere Magie, auch wenn ich ihre (Anti-)Kriegsfilme, wie Das letzte Glühwürmchen, nicht gucken kann, die gehen einfach zu tief. 

Prinzessin Monoke ist auch sehr stark, aber nichts für Kinder. Wer Avatar mochte, wird deutliche Parallelen erkennen, wobei Prinzessin Monoke mehr Grautöne zulässt.

Dafür sind Kikis kleiner Lieferservice (ja, sie ist eine Hexe) oder Das Königreich der Katzen wirklich bezaubernd und auch für Kinder geeignet.


... wobei ich finde, dass gut gemachte Kinderfilme auch für Erwachsene eine schöne Sache sind. 

So viele Leute wollen ständig mit ihrem inneren Kind "arbeiten" - nun lasst es doch auch mal Spaß haben! 😉


Ich gucke relativ wenig für mich/für Erwachsene, weil ich eher lese. Daher ist die folgende Liste nicht allzu lang.

In den letzten Jahren stach für mich Glass Onion richtig raus, der ist intelligent gemacht.

Die Knives Out Serie ist super. Der erste Teil Mord ist Familiensache war ebenfalls großartig.

Der dritte Teil kam unlängst raus, hat sich für mich aber zu gewollt angefühlt. Das soll vermutlich überzeichnet wirken, kam aber nur noch flach rüber. Nach einer halben Stunde habe ich aufgegeben und mir etwas anderes für den Abend gesucht.


Wer bei dem grauen Wetter ein paar Lichtblicke braucht: Death in Paradise

Britischer Humor unter Palmen, eine karibische Cosy Crime Serie mit großartiger Besetzung. Die Charaktere, die da aufeinander treffen, sind wirklich unterhaltsam.


Das sind so meine aktuellen Highlights für die nasse, graue Zeit. Was sind eure Tipps? Gibt es irgendwas, das man auf keinen Fall verpassen sollte?


Bild von 五玄土 ORIENTO aus Unsplash


6. Februar 2026

🫖 FreitagsTee

Hier darf alles Platz nehmen: Das Schöne, das Schwierige und alles dazwischen.


Noch kurz drei Dinge in eigener Sache: Im Moment sind die Wartezeiten beim Kartenlegen erfreulich kurz und ich habe für nächste Woche noch drei Möglichkeiten frei.

Das ist typisch für den Februar, die Jahres-Analysen konzentrieren sich meist auf den Dezember und den Januar (wobei sie ganzjährig möglich sind und viele sie auch gerne zum Geburtstag buchen), nun wird es etwas ruhiger.

Falls Bedarf besteht: Zuschnappen! 😉


Das noch kurz zum vormerken: Ich bin übernächste Woche vom 16. bis 20 Februar nicht erreichbar, da mache ich eine kleine Pause, danach geht es wie gewohnt weiter. Wer vorher noch Lektionen von den Kursen braucht, einfach kurz eine Mail schicken


Und wenn wir gerade beim Organisatorischen sind, das wurde jetzt mehrfach gefragt: 

Die kompakten Analysen mit einer oder drei Karten sind oft auch kurzfristiger möglich, als die „offizielle“ Wartezeit hier auf der Homepage.

Wenn es ein Anliegen in der Richtung gibt, kannst du mir einfach unkompliziert eine Mail senden.


*


So, nach den praktischen Vorbemerkungen kommen wir nun zum eigentlichen FreitagsTee. 🌸


Diese Woche hat sich das Thema Verantwortung in vielen Varianten gezeigt und ganz speziell eine Facette, die aus meiner Sicht zu wenig beachtet wird:

Wir tragen nicht für alles die Verantwortung.

Seit einiger Zeit ist Eigenverantwortlichkeit ein großes Thema und das ist auch richtig so.

Trotzdem muss man zuerst genau hinschauen, wie die Dinge gelagert sind.


Ich hatte diese Woche ein Gespräch mit einer Freundin.

Sie war in einer verzwickten Situation, innerlich aufgewühlt, es war ihr peinlich, einen bestimmten Fehler gemacht zu haben.

Wer kennt das nicht, wenn einem so etwas passiert, kann man sich im Geiste noch so gut zureden, der Körper reagiert sofort: Herzklopfen, innere Hitze und Unruhe machen sich breit.

Als Außenstehende fiel mir auf, dass nichts von dem, was schiefgegangen war, tatsächlich in ihren Händen lag - und das nicht aus Nettigkeit, sondern ganz objektiv betrachtet. 

Es gibt Situationen, in denen man nicht die Zügel in den Händen hält. Man versucht sein Bestes und es ist nicht passgenau. Man rutscht aus und fällt auf die Nase.

Nichts davon hat man provoziert, so gewollt oder auch nur den Hauch einer Chance gehabt, es zu beeinflussen.

Manchmal haben wir solide Möglichkeiten, manchmal sind sie sehr begrenzt.


Als ich darüber nachgedacht habe, wurde mir klar, dass die Reihenfolge stimmen muss.

Man darf nicht automatisch reagieren (ja, wenn das so einfach wäre… die Körperreaktionen kann man natürlich nicht abschalten, aber immerhin das Denken hat man unter Kontrolle).

Bevor man für irgendetwas die Verantwortung übernimmt, muss man feststellen, ob man sie überhaupt trägt - und zu welchem Anteil, denn an vielen Situationen sind mehrere Leute beteiligt.


Unsere Omas hatten diesen schönen Satz: Du musst dir nicht jeden Schuh anziehen. 

Das ist die komprimierte Version dieses Gedankens. 😉


Du kannst nur für das Verantwortung übernehmen, für das du Verantwortung übernehmen kannst.

Das heißt nicht, dass man sie anderen zuschiebt, sondern dass man objektiv betrachtet, was gerade passiert.

Es bedeutet auch, dass man andere nicht aus ihrer Verantwortung entlässt oder alles entschuldigt.

Beobachte! - das war der Standartspruch meiner mongolischen Lehrerin damals. Ich komme immer wieder auf ihn zurück.

Es ist selten verkehrt, mit offenen Augen hinzuschauen. 


Auch wenn die Gefühle sofort auf eine Situation anspringen, auch wenn etwas eindeutig zu sein scheint: Reagiere nicht sofort, lass es erst einmal runterköcheln und beobachte, was sich tatsächlich abspielt.

Die kleine Pause, die man dafür braucht, ist immer wieder Gold wert.


2. Februar 2026

Die neuen Vollmondkarten sind online. 

Diesmal hatte er wirklich eine besondere Energie - Imbolc und Vollmond zur selben Zeit, das hat man auch nicht jeden Tag. 

Für alle, die sie nicht auf YouTube abonniert haben, hier sind sie: 






Bild von Honey Fangs aus Unsplash


30. Januar 2026

🫖 FreitagsTee

Hier darf alles Platz nehmen: Das Schöne, das Schwierige und alles dazwischen.

Manchmal lasse ich mich bewusst durchs Netz treiben und oft finde ich dabei Antworten auf Fragen, von denen ich noch gar nicht wußte, dass ich sie habe.

Manchmal sind es auch kleine Winke oder dass man plötzlich etwas in Worte fassen kann, das vorher schwer zu greifen war.


Vor einer Weile entdeckte ich, dass die Philosophie, mit der ich in meinen Kartenkursen unterrichte, in Japan einen konkreten Namen hat, sie heißt SHU HA RI oder anders gesagt: bewahre, brich, löse.

Das war verblüffend, weil ich es exakt so angehe - und dann liest man durch Zufall, dass es anderswo einen richtigen Namen hat. Ich habe mal ein bißchen tiefer recherchiert... 


Das Prinzip dahinter wurde an einigen Stellen mit der Entwicklung eines Schmetterlings verglichen, weshalb ich dieses Bild beibehalte.

Kurz gesagt geht es um drei Stufen des Lernens. Nicht nur auf das Kartenlegen bezogen, man kann dieses Prinzip in jedem Lebensbereich anwenden.

Gehen wir es mal durch:


Stufe 1:  SHU Bewahren

Wenn wir eine traditionelle Kunst erlernen – sei es in meinem Beispiel das Kartenlegen, aber z.B. auch eine Kampfkunst, eine spirituelle Praxis oder wie man ein gutes Brot backt – treten wir in eine Linie ein, die über Generationen weitergegeben wurde.

Wir lernen dabei in irgendeiner Form von einem Sensei (Lehrer:in - kurz gesagt: eine Person, die eine Kunst in Theorie und Praxis gemeistert hat) und folgen zunächst den Formen, Regeln und Ritualen, die uns anvertraut werden.

In dieser Phase geht es nicht um Kreativität, sondern um Hingabe. 

Die alten Römer sagten, dass Wiederholung die Mutter des Lernens ist und da hatten sie definitiv Recht.

Diese Phase braucht eine Portion Demut.

Wer schonmal einen verkohlten, flachen Ziegel aus dem Ofen gezogen hat, weiß das. Wer schonmal ratlos vor den Karte saß, weiß es ebenfalls. Wer zwischen tausend rasenden Gedanken meditiert hat… - ich denke das Prinzip wird klar.

Wer jetzt nicht auf große Ergebnisse schielt und dadurch vorschnell das Handtuch wirft, entdeckt: Je mehr Hingabe ich auf die gelehrte Form verwende, desto mehr Kraft gewinnt sie.

In diesem Stadium wird man zur Raupe, die geduldig ihren Weg geht, ohne zu eilen und ohne zu fliegen. Eine Raupe kann beides noch nicht, sie „futtert“ sich erst einmal genügend Wissen an.


Stufe 2: HA – Brechen

Irgendwann wird klar, dass die Grundlagen sitzen. Die Form ist verinnerlicht. Genau dann beginnt etwas Neues: Wir dürfen – und sollen – die erlernte Form hinterfragen.

HA bedeutet nicht „zerbrechen“, sondern „aufbrechen“.

Es ist der Moment, in dem wir das Gelernte auseinandernehmen, neu zusammensetzen, erweitern, anpassen. Wir beginnen, unseren eigenen Stil zu entwickeln.

Viele Menschen erleben diese Phase als herausfordernd, es ist eine Zeit, in der man „auf wackligen Beinen läuft“.

Wobei es auch Spaß machen kann, so ist das nicht. Mal ein bißchen Joghurt oder Quark unter den Brotteig mischen und schauen, was passiert. Ein eigenes Legemuster entwickeln und ausprobieren, ob es sich bewährt.

Das Aufbrechen alter Formen bedeutet, das Thema neu zu denken und es sich auf einer tieferen Ebene zueigen zu machen.

Bleiben wir im Bild des Schmetterlings ist es die Zeit des Kokons – manchmal eine Wundertüte, aber immer voller Möglichkeiten.


Stufe 3: RI  – Loslassen

RI ist die Phase, in der wir nicht mehr nur die Technik beherrschen, sondern mit ihr verschmelzen.

Einen Karatemeister kann man nachts um 2 Uhr wecken und er kann sich aus dem Stand verteidigen.

Mich könnte man nachts um 2 Uhr nach einer Kartenlegung fragen und… - OK, lassen wir das, um diese Uhrzeit garantiere ich für nichts. 😅

Das lässt sich mit Omas Essen vergleichen, falls sie der Typ fürs kochen ist. Wenn eine Oma kocht… da gibt es etwas, das man nicht „machen“ oder aus Büchern lernen kann. Das nur aus Jahrzehnten Erfahrung mit der Materie entsteht. Diese Omas sind Senseis (Meisterinnen) des Essens.

In diesem Stadium ist es zu einem Teil von einem geworden. Man kann es aus dem Handgelenk schütteln.


Dieser Weg ist übrigens kein Weg zur Perfektion, er ist ein Kreis. 

Wir im Westen denken gerne in Linien, aber das asiatische Denken ist rund.


Selbst in dieser Phase der Entwicklung kehren wir immer wieder zum Anfang zurück. Wir üben die Grundlagen, wir erinnern uns an die Essenz.

Vielleicht sieht man ein spannendes neues Rezept, entdeckt in einem alten Buch eine unbekannte Karten-Technik oder bekommt als Tarot-Lehrerin von Kursteilnehmern eine Frage gestellt, die einen die Dinge nochmal neu betrachten lässt. 

Es wird nie langweilig. 

Und: Der Karatemeister übt weiterhin seine Formen. Oma schält weiterhin Kartoffeln. 

Niemand ist sich zu fein dafür, weil er "ja schon fortgeschritten" ist. Da sind wir direkt wieder bei der Demut aus Schritt 1. 


Ich habe die Küchen-Beispiele im Text übrigens nicht ohne Grund eingestreut: Es geht bei diesem Prinzip nicht nur um gewichtige oder „heilige“ Dinge.

Alles im Leben kann meisterlich gemacht werden. Nichts ist zu klein oder unbedeutend.

Andere haben einem nicht reinzureden, jede:r von uns hat eigene Maßstäbe, Wünsche und Ziele.

Wir alle sind mal die Raupe, mal im Kokon und mal der Schmetterling.

Es ist nur wichtig, sich bewusst zu machen, in welchem Stadium man gerade steckt. So vermeidet man unnötigen Frust und geht realistisch an die Dinge heran.