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Donnerstag, 16. April 2026
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Kostprobe gefällig? Hier ist die Ausgabe vom letzten Freitag:
Ich habe letztens ein wenig über meine Anfänge nachgedacht, sie liegen über 20 Jahre zurück (was sich ein bißchen surreal anfühlt - aber im Spiegel sehe ich, dass das schon hinkommt 😄).
Da ist es naheliegend ein wenig über das gern gehörte „früher war alles besser“ zu reflektieren. (Spoiler: Das war es nicht.)
Vor gut 20 Jahren war das Spirituelle noch nicht so im Mainstream angekommen. Das wird heutzutage oft beklagt, aber alles hat Vor- und Nachteile.
Es gibt auch viele gute Seiten der heutigen Zeit, man blendet beim Blick auf die Vergangenheit nämlich gerne mal ihre Schattenseiten aus.
Früher hatten viele Leute ein mulmiges Gefühl, wenn sie sich mit Themen wie Magie oder Kartenlegen befasst haben.
Ich erinnere mich gut an einen Klienten, der sich mitten in der Kartenlegung lieber nochmal versichert hat, dass Tarot auch wirklich nichts mit Satanismus zu tun hat.
Heute hört sich das verwunderlich an, aber ich konnte ihn damals gut verstehen. In der Bild-Zeitung waren seinerzeit schaurige Pseudo-Geschichten über angebliche schwarze Messen schwer in Mode.
Zeitungen hatten noch eine ganz andere Meinungs-Macht, es gab kein Social Media, in dem Leute ihre eigene Geschichte erzählen konnten.
Ich fand es stark, dass er sich trotzdem getraut hat, sich ein eigenes Bild zu machen. Berührungsängste haben damals vielen den Zugang zu spirituellen Themen verstellt.
Die Stimmung war ganz eigenartig, einerseits waren „die Esoteriker“ in der öffentlichen Wahrnehmung allesamt Spinner. Andererseits aber auch irgendwie gefährlich nahe an irgendetwas Dunklem.
Es gab diese Vorstellung, das nur Menschen zum Kartenlegen oder spirituellen Angeboten gehen, die „verzweifelt genug“ für „so etwas“ sind.
Das hat damals schon nicht gestimmt und heute natürlich noch viel weniger, aber der Tenor war, dass spirituelle Angebote automatisch Menschen ausnutzen wollen. An Kirchensteuern hat sich komischerweise niemand gestört.
Man musste sich oft dafür rechtfertigen, dass man Geld für seine Arbeit nimmt. Das wurde als irgendwie unmoralisch empfunden und die Leute konnten sehr persönlich werden in dieser Sache.
Ich habe mir ihre Wut angehört und dann ruhig entgegnet, dass ich es mir nicht leisten kann, kostenlos zu arbeiten. Ich muss für mein Geld arbeiten. Wenn ich es nicht mit der spirituellen Arbeit verdiene, muss ich etwas anderes machen und dann bleibt wenig Zeit übrig, um irgendwen zu beraten.
Das haben tatsächlich sogar die größten Eiferer verstanden, was mir eindrücklich gezeigt hat, dass man manchmal einfach nur miteinander reden muss.
Die Leute haben einen damals einerseits verdammt, andererseits aber auch überhöht - was im Grunde zwei Seiten derselben Medaille sind.
Ich weiß nicht, wie vielen Leuten ich erklärt habe, dass ich nicht ihre Gedanken lese und sie sich neben mir entspannen können.
Da gab es so eine Vorstellung, dass spirituelle Menschen allwissend und allmächtig wären.
Was manchmal skurrile Züge angenommen hat, wenn man beschimpft wurde, weil man keinen Zauber für jemanden macht - so nach dem Motto: Du bist mächtig und verweigerst mir mein Glück? Wie kannst du nur!
Egal, wie ich es drehe und wende: Mir gefällt heute eindeutig besser! 😅
Natürlich sehe ich die Oberflächlichkeit und das Social Media Gehabe einiger Leute.
Trotzdem ist es etwas Gutes, dass das Spirituelle alltäglicher geworden ist und dass Menschen ihre eigenen Geschichten erzählen können, wodurch der Tellerrand für uns alle um einiges weiter geworden ist.
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