Wer antwortet?
In den Zuschriften vom 🫖FreitagsTee Newsletter (> hier kostenlos abonnieren) kam ein interessantes Thema auf und zwar die Wahrsagewesenheit bzw. Orakelgottheit.
In ethnologischen Büchern bin ich auch öfter mal über den Begriff „Orakelautorität“ gestolpert, der ebenfalls sehr treffend ist.
Das ist wirklich mal eine Überlegung wert:
- Wo gehen die Fragen hin, die wir stellen?
- Wer beantwortet sie?
- Lesen wir tatsächlich nur wie ein Scanner die Energien im großen Geflecht des Lebens aus, wenn wir Karten legen?
- Befinden wir uns in einem anonymen „Universum“?
- Oder gibt es bewusste Kräfte, die unsere Fragen beantworten?
- Vielleicht auch einen Mix aus beidem?
Ein paar grundsätzliche Gedanken
Ich werde diese Fragen nicht beantworten, weil ich denke, dass das eine zutiefst persönliche Erfahrung ist. Mit Betonung auf: Erfahrung.
Die Leute haben (gerade im Netz) alle möglichen Meinungen. Meinungen sind in diesem Bereich aber völlig irrelevant.
Es geht gar nicht darum, dass alle in dasselbe Kästchen passen sollen. Es geht um echte Erfahrungen - und die kann man nur selbst machen.
Nachdem Menschen sehr unterschiedlich sind, ist es nur natürlich, dass sie unterschiedliche Ebenen des Lebens auf unterschiedliche Art und Weise wahrnehmen.
Die folgenden Zeilen sind also nur meine Erfahrungen, wenn du es anders erfährst, ist das völlig OK.
Was ich über die Jahre mitbekommen habe
Nach meiner Erfahrung stehen hinter jedem Orakel Wesenheiten, die damit verbunden sind. Sie sind sehr unterschiedlich, weshalb jedes Orakel seinen ganz eigenen Vibe hat.
Das Tarot fühlt sich anders an, als die Skatkarten. Das Steinorakel ist völlig anders als alle anderen Orakel, die ich kenne.
In letzter Zeit verwendet ich ganz privat auch gerne mal die roten Halbmonde aus der taoistischen Tradition zusammen mit Orakelstäbchen und auch bei ihnen merkt man regelrecht die „Laune“ des Orakels.
In meiner Wahrnehmung steigt mit dem Alter und der ununterbrochenen Verwendung eines Orakels auch seine Eigenwilligkeit und das meine ich durchaus wörtlich als Eigen-Wille.
Alte Orakel haben über Jahrhunderte viele Fragende gesehen. Nicht nur wir als Menschen kennen sie - sie kennen auch uns schon seit langer Zeit.
Sie „leben“ viel länger, als Menschen und haben dadurch einen Erfahrungsschatz, der unseren bei Weitem übersteigt.
Ein bißchen Respekt ist also immer eine gute Idee. Damit meine ich keinen Kadavergehorsam und auch nicht, dass es Fragen gäbe, die „zu weltlich“ sind.
Im Grunde ist es ganz einfach: Man fragt ehrlich, offen und hört vor allem auch bei der Antwort zu.
Zu Risiken und Nebenwirkungen
Ich weiß noch, dass ich nicht schlecht gestaunt habe, als meine mongolische Lehrerin ziemlich unverblümt meinte, dass man bestimmte Ratsuchende ablehnen muss.
Da ging es vor allem um Menschen, die keinen Respekt haben.
Denn Orakelwesenheiten sind nicht nur alt, sie haben auch ein Bewusstsein und wer ein Bewusstsein hat, kann Entscheidungen treffen.
Zum Beispiel die Entscheidung, nicht mehr zu antworten, weil es einem - auf deutsch gesagt - zu blöd wird.
Das betrifft dann nicht nur den Fragesteller, sondern mitunter auch den Orakelkenner (wie z.B. die Kartenlegerin).
Unsere eigenen Märchen und Sagen kennen das auch noch: Überspannt man den Bogen, sind die hilfreichen Wesenheiten weg, nicht selten für immer.
Erinnert sich noch jemand an die früheren Kartenlegerinnen (das gilt auch für Heiler etc.) „vom alten Schlag“, die mitunter sehr direkt und fast schon ruppig sein konnten?
Ich denke, dass das nur zu einem Teil ihr individuelles Naturell war und zu einem anderen Teil das Wissen darum, dass ein bestimmter spiritueller Bereich nach dem „no-nonsense“ Prinzip funktioniert.
Mein Rat
Unabhängig davon, welcher Weg für dich richtig ist - ob nun ein eher anonymes Universum aus Energien oder spezifische Wesenheiten, mit denen du arbeitest - ist freundlicher Respekt die beste Herangehensweise.
Man tritt über ein Orakel in Kontakt mit etwas, das sehr viel älter und erfahrener ist, als man selbst .
Deshalb muss man nicht vor Ehrfurcht erstarren, aber zu flapsig oder gar beliebig sollte man es auch nicht nehmen, sonst bekommt man eines Tages die Quittung dafür.